Zum Zweiten Advent gab es zwei Premieren

08.12.2020

NT-REUDERN. (kry) - Der fürs Wochenende erwartete Schnee hätte zur Feier am zweiten Adventssonntag in der Reuderner Friedenskirche gepasst. Zum einen, weil ja zugleich auch Nikolaustag war und zum anderen, weil sich viele endlich wieder mal weiße Weihnachten wünschen. In der Kirche sorgte entsprechende Beleuchtung für festliche Stimmung, als der Gottesdienst mit einer Premiere begann: Statt der Gemeindepfarrerin Kornelia Stysch hielt nämlich der neue Pfarrer aus Oberboihingen, Dr. Ulrich Dreesman, seinen ersten Gottesdienst in Reudern. Er hatte seinen Dienst in der Kirchengemeinde in Oberboihingen gemeinsam mit seiner Ehefrau, Pfarrerin Teresa Nieser, im Oktober dieses Jahres aufgenommen.

"Es ist zwar der erste Gottesdienst in der Friedenskirche, aber nicht der erste Besuch in Reudern", bestätigte Ulrich Dreesman. Rund 50 Gläubige dürfen wegen Corona derzeit in der Kirche Platz nehmen, so bestimmt es das Hygienekonzept der Kirchengemeinde Reudern. Ebenso ist das gemeinsame Singen im Gotteshaus weiterhin untersagt. "Singen ist nicht erlaubt, dafür das Zuhören." Mit diesem Satz kündigte Ulrich Dreesman die musikalische Umrahmung des Adventsgottesdienstes an: Der Organist Sebastian Michel spielte am Klavier und Kornelia Stysch und Frieder Schäfer begleiteten ihn gesanglich. "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" von Peter Hofmann gehört zur Adventszeit dazu, wie die Lichter am Adventskranz.

Ein Ho, Ho, Ho mit Gottes Segen

Weit kam der Gastpfarrer aus Oberboihingen mit seinem Gottesdienst allerdings nicht. Denn: Gleich zwei Nikoläuse aus verschiedenen Richtungen und mit verschiedenem Aussehen platzen polternd und mit tiefen Stimmen in die Adventsfeier. Die staunenden Konfirmanden erkannten rasch, dass es sich beim einen Bärtigen um dien Heiligen Bischof Nikolaus aus Myra handelt und der andere eine erschaffene Werbeikone eines amerikanischen Getränkeherstellers, aber nicht minder beliebt ist. Als sich die beiden Vorboten von Weihnachten beim Altar trafen, kamen durch deren zahlreiche Unterschiede zu Tage. Die beiden Bärtigen erzählten den Kindern und den weiteren Gottesdienstbesucher humorig ihre Lebensgeschichte.

Dabei stellte sich heraus, dass der Heilige Bischof Nikolaus von Myra im vierten Jahrhundert nach Christus tatsächlich lebte und der andere Nikolaus mit seinem rot-weißen Gewand als Weihnachtsmann an ein berühmtes Markengetränk erinnern sollte und deshalb nur eine Erfindung der Werbebranche war. Auch in Sachen Kindererziehung waren sich die Nikoläuse nicht einig. Während der eine mit der Rute daher kommt, setzt der Bischof mit seinem Stab eher auf Güte und ermahnende Worte. Einig waren sich am Schluss beide, dass sie den Nikolaustag in Reudern gemeinsam feiern wollten, damit den Menschen in der Kirche klar werde, dass alle Christen seien.

Der ursprüngliche Gedanke soll in den Vordergrund rücken: Das Teilen, so wie es der Bischof von Myra mit seinen drei goldenen Kugeln auch tat. Beide versicherten, dass Teilen Licht ins Dunkle bringe. Pfarrer Ulrich Dreesman bestätigte im Anschluss: "Der Nikolaus ist eine adventliche Gestalt und Advent bedeutet Ankunft." Nicht zuletzt deshalb ist der Heilige auch heute noch Schutzpatron für die Seefahrer, Flussschiffer und Fischer, erklärte Dreesman. Für die Konfirmanden wurde es nach dem Gottesdienst noch einmal spannend. Weihnachtsmann und Bischof erschienen nochmal, dieses Mal mit dem bekannten Goldenen Buch und darin waren über jedes Kind die guten und weniger guten Taten niedergeschrieben.