WILHELMA: Schärfer geht es nicht!

15.09.2021

Der zoologisch-botanische Garten Wilhelma in Stuttgart zeigt bis zum 24. Oktober 2021 rund 100 Chilisorten. Darunter auch "Carolina Reaper", sie ist mit 2,2 Millionen Scoville die schärfste Sorte der Welt.

STUTTGART. (red) - Die Warnschilder "Berühren verboten" und "Nicht zum Verzehr geeignet" stehen derzeit nicht umsonst im historischen Wintergarten der Wilhelma in Stuttgart. Die Schärfe-Expertin der Wilhelma-Gärtnerei, Fenja Baumgärtner zeigt in einer Ausstellung über 100 Chilisorten. Darunter ist auch ein Weltrekordhalter seit dem Jahr 2013 - die "Carolina Reaper".

"Der höchst gemessene Schärfe-Wert lag bei 2,2 Millionen Scoville. Um eine Messerspitze zu neutralisieren, bräuchte man rund 2.500 Liter Wasser", betont die Zierpflanzengärtnerin. Sie löste vor acht Jahren die Sorte "Trinidad Moruga Scorpion" ab und gilt seitdem ungeschlagen als schärfste Chilisorte der Welt. Dabei trägt die Frucht nicht etwa, wie erwartet, ein feuerrotes Warnkleid, sondern kommt im unscheinbaren, warmen Orange daher. "Die Farbe sagt über die Schärfe gar nichts aus", erklärt Fenja Baumgärtner. Die Schärfe konzentriere sich in der Plazenta, wo an der weißen Scheidewand die Samen der Chilifrucht wachsen. Südamerika gilt, wie die Gärtnerin erläutert, als Ursprungsland für die Frucht. Der Seefahrer Christoph Kolumbus brachte den Scharfmacher vermutlich während einer seiner Entdeckerreisen nach Europa.

Heute kann Fenja Baumgärtner aus über 250 Chilisorten auswählen. Damit die scharfen Früchtchen im Herbst reif sind, ist sie das ganze Jahr mit der Aufzucht beschäftigt. "Anfang Februar sähe ich die interessantesten Sorten aus und kümmere mich um die wachsenden Pflanzen", beschreibt die Gärtnerin ihre Arbeit. Dabei achte sie auf die Schönheit und Geschichte der Chilisorte. Die Pflanzen lieben es sonnig, wie Fenja Baumgärtner weiß. "Im Schatten würden sie vergeilen, also mehr Blätter als Früchte tragen." Um viele Chilischoten an der Pflanze zu haben, muss man sie ausgeizen, indem man neu wachsende Pflanzenstängel entfernt. Die Nachzucht der Chilipflanzen ist einfach, wie Fenja Baumgärtner beschreibt: "Man lässt die Samen im Herbst trocknen, füllt diese in beschriftete Samentüten ab, lagert sie an einem trockenen Ort und im Frühjahr beginnt die Aussaat."

Bei der Aufzucht sei es wichtig, die Pflanzen regelmäßig zu düngen, mahnt die Expertin der scharfen Früchte. "Chili ist eine dankbare Pflanze, die nicht viel Hege und Pflege braucht. Da sie sich selbst befruchtet, muss man beim Nachziehen aber auf die Sortenreinheit achten." Einen Geheimtipp gibt es von der Chili-Expertin: "Wer gerne schärfere Früchte will, muss die Pflanzen stressen und sie beispielsweise nur spärlich wässern. Dadurch kriegt sie Panik und setzt den eigenen Überlebensmechanismus in Gang - sie wird feurig scharf."

Wer Chili in der heimischen Küche verwendet, weiß, nach dem Anfassen der Früchte ist gründliches Händewaschen angesagt. Ansonsten kann der spätere Griff ins Gesicht oder etwa in die Augen zum schmerzhaften brennenden Erlebnis werden. Fenja Baumgärtner bestätigt: "Am wenigstens scharf ist die Frucht an der Spitze, je weiter man in die Nähe der Samen kommt, umso feuriger wird das Geschmacksempfinden." Vögel haben eine explizite Vorliebe für Chilipflanzen und sie haben Glück, wie die Wilhelma-Gärtnerin weiß: "Die gefiederten Tiere haben kein Schärfeempfinden." Und genau das macht sich die Chilipflanze zu nutzen. Bei den natürlich gewachsenen Pflanzen sitzen die Früchte fast lose auf dem Stängel, so dass die Vögel sie leicht wegpicken können. "Sie fressen die Frucht, verdauen aber die Kerne nicht, sondern scheiden diese unberührt aus. So sichert sich Chili die weltweite Verbreitung", sagt Fenja Baumgärtner. Dadurch kann man den Unterschied zwischen natürlichen und gezüchteten Pflanzen feststellen. "Die Früchte von Züchtungen gehen nur schwer vom Stängel."

Die gewachsenen Früchte der Chili-Ausstellung werden nicht an die Tiere im Zoo verfüttert, betont sie. "Die Kolleginnen und Kollegen der Wilhelma sind jedoch dankbare Abnehmer." Für Fenja Baumgärtner, die die Chilipflanzen übers Jahr hegt und pflegt, sind die Scharfmacher allerdings nichts, wie sie mit einem Augenzwinkern betont: "In meiner eigenen Küche kann ich auf die Schärfe gut verzichten." Wer ein feuriges Rezept sucht, findet es bei Zimtkringel!

>> Wichtige Informationen zum Besuch in der Wilhelma

Die Chili-Ausstellung im historischen Wintergarten der Wilhelma ist noch bis zum 24. Oktober 2021 während der üblichen Öffnungszeiten der Wilhelma zu sehen. Wer einen Besuch im zoologisch-botanischen Garten plant, muss sich sein Ticket vorab online reservieren. Wer mit dem eigenen Auto anreist, braucht für das zugehörige Parkhaus ebenfalls ein Online-Ticket.

Für den Besuch in der Wilhelma gilt zusätzlich zum Online-Ticketing die 3G-Regel. Mit der 10. Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg ist seit Montag, 16. August 2021, der Zugang zur Wilhelma für Gäste - mit wenigen Ausnahmen - nur noch möglich, wenn sie entweder gegen COVID-19 vollständig geimpft bzw. davon genesen sind oder alternativ einen aktuellen negativen Schnelltest vorlegen. Ausgenommen sind davon Kinder unter sechs Jahren und ältere noch nicht eingeschulte Kinder sowie Schülerinnen und Schüler von Grundschulen, weiterführenden Schulen, beruflichen Schulen und sonderpädagogischen Einrichtungen. Bitte beachten: In den Gebäuden sowie an vielen Stellen im Freien gilt Maskenpflicht.

>> Infos im Internet finden Sie hier!