Weniger fliegen!

17.09.2022

Am 17. September 2022 führen die luftverkehrskritischen Initiativen Deutschlands einen Aktionstag für Nachtflugverbote und die Einstellung von Kurzstreckenflügen durch. Die Schutzgemeinschaft Filder weist in diesem Zusammenhang auf ihre spezifischen Forderungen an die Politik und Gesellschaft hin.

NEUHAUSEN. (pm) - Noch nicht lange ist es her, dass der Protest im Osten der Filder gegen die geplante Flugroutenänderung, die Spalten der Zeitungen füllte. Vor kurzem wurde bekannt, dass sich im Westen des Flughafens, in den Schönbuch-Gemeinden, Kritik gegen den verstärkten Fluglärm erhebt und manche der Lärmbetroffene der Meinung sind, dass sich die Route geändert hat. Auf Nachfrage erklärte die Deutsche Flugsicherung, dass es keine Veränderung bei den Flugrouten über dem Schönbuch gibt. Die DFS vermutet, dass die vermehrten Nachfragen und Proteste aus den Schönbuchgemeinden darauf zurückzuführen sind, dass jetzt wieder vermehrt geflogen wird.

Die Schutzgemeinschaft Filder sagt dazu: "Die Corona Pandemie war für alle Menschen eine harte Zeit, zugleich hat sie gezeigt, dass manche Gewohnheit - etwa das Vielfliegen mit seinen negativen Begleiterscheinungen wie Lärm, Ultrafeinstaub, verändertes Klima etc. -, die aufgegeben werden musste, zum Nutzen für Mensch und Natur war." Leider stellt die SG Filder heute fest, dass sich die Luftfahrt wieder auf rapidem Wachstumskurs befindet. "Statt das 1,5 Grad-Ziel zu verfolgen, wird am Flughafen wieder auf die Tube gedrückt", moniert der Vorsitzende der SG Filder, Steffen Siegel, und erklärt weiter: "Statt, dass sich die Politik sowie der Flughafen und die Lärmschutzkommission jahrelang um eine Flugroutenänderung im Osten bemühen und dafür viel Geld einsetzen, um den Lärm an manchen Orten geringfügig zu verringern, an anderen aber zu erhöhen, sollten wir gemeinsam etwas tun, das allen Gemeinden und zugleich dem Klima hilft: den klimaschädlichen Flugverkehr deutlich reduzieren! "Deshalb weist die Schutzgemeinschaft Filder anlässlich des bundesweiten Aktionstags noch einmal auf unsere spezifischen Forderungen hin:- +Diskussion um Flugroutenänderung im Osten ad acta legen! Keinen Probebetrieb umsetzen!- +Vollständiges Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr - keine Ausnahmeregelung für Postflüge etc.- +Reduzierung von Ultrafeinstaub durch weniger Fliegen!- +Reduzierung des Schwefelanteils im Kerosin, der beim Verbrennen den Anteil des Ultrafeinstaubs erhöht.- +Endlich Kerosin besteuern! Keine Benachteiligung der Bahn, die ihre Energie besteuern muss!- +Keine Kurzstreckenflüge ab bzw. nach Stuttgart!

Bundesvereinigung gegen Fluglärm unterstützt den Aktionstag

Die SG Filder schließt sich zudem dem Positionspapier der Bundesvereinigung gegen Fluglärm an, bei der die Schutzgemeinschaft Filder seit ihrer Gründung Mitglied ist. Carl Ahlgrimm, Präsident der Bundesvereinigung, begrüßt den Aktionstag mit den Worten: "Die Forderungen der Initiativen und deren formulierten Ziele entsprechen dem aktuellen Forderungskatalog der Bundesvereinigung!" (siehe untenstehend). "Insbesondere die politischen Adressaten des Protestes müssen anerkennen, dass der von ihnen vertretene Kurs in Sachen Flugverkehr ein langfristig existenzgefährdender Irrweg ist. Keiner von uns will das Fliegen, gerade auf sehr weiten Strecken, grundsätzlich verbieten. Aber wir wollen sehr wohl einen völlig veränderten Umgang mit diesem Verkehrsträger im Allgemeinen und mit der werbewirksam in Szene gesetzten 'Lust am Fliegen' im Besonderen erreichen." "Denn der Luftverkehr ist unbestritten die klimaschädlichste und energieintensivste Form der Mobilität", betont Carl Ahlgrimm. "Wir sind davon überzeugt, dass die Erreichung der Klimaneutralität in Europa 2050 und in Deutschland 2045 nur gelingen kann, wenn der Luftverkehr in Deutschland, europa- und weltweit schrumpft und Kerosin endlich auch in die Mineralölbesteuerung einbezogen wird."

16 Forderungen der Bundesvereinigung gegen Fluglärm

(1) Streichung aller Subventionen, einschließlich Quersubventionen und Steuervergünstigungen für die Fluggesellschaften und Flughäfen sowie Beseitigung von Incentive- und Rabattprogrammen;

(2) Einbeziehung des Luftverkehrs in das System der CO2-Bepreisung und vollständige Erfassung aller Klimaeffekte des Luftverkehrs

(3) Deutliche Erhöhung der Lärm- und Schadstoffkomponenten als Teil der Landegebühren, vor allem für die Nachtzeit und Überführung in ein Kompensationssystem, mit dessen Einnahmen die Ansprüche der Anwohner*innen und Kommunen aus Wertminderungen und Belastungen unbefristet ausgeglichen werden

(4) Regelmäßige Anpassung der Luftverkehrsabgabe und Einrichtung eines Ausgleichsfonds für vom Luftverkehr verursachte Belastungen und Schädigungen im Gesundheits- und Sozialbereich

(5) Vollständiger Abbau aller Kurzstreckenflüge unter 600 km bis 2030; Förderung des Ausbaus von Hochgeschwindigkeitsstrecken, auch im grenzüberschreitenden Schienenverkehr

(6) Damit die freiwerdenden Kapazitäten nicht für andere Strecken genutzt werden, müssen die Slots an den Verkehrsflughäfen jedes Jahr um 3% gekürzt werden

(7) Grundlegende Überarbeitung des Fluglärmgesetzes von 2007 (FluLärmG) und dessen Ausgestaltung im Sinne der Nachhaltigkeitsziele; insbesondere, Absenkung der Lärmgrenzwerte für Fluglärm, orientiert an den aktuellen Erkenntnissen der Lärmwirkungsforschung, bei gleichzeitiger Beseitigung der "Zweiklassengesellschaft" unter den Fluglärmbetroffenen

(8) Absenkung der Lärmgrenzwerte, orientiert an den Erkenntnissen der Lärmwirkungsforschung und entsprechende Verpflichtung der Deutschen Flugsicherung, auf deren Einhaltung zu achten

(9) Entwicklung von Lärmaktionsplänen an allen Verkehrsflughäfen mit verbindlichen Lärmminderungszielen, orientiert an den WHO-Werten

(10) Einführung von Nachtflugverboten zwischen 22 und 6 Uhr an allen deutschenFlughäfen zum Schutz der Nachtruhe der Anwohner

(11) Eine missbräuchliche Nutzung von Slots (z.B. regelmäßige Verstöße gegendie Nachtflugbestimmungen, bewusste Startverzögerung in die Nacht hinein) unddie Hervorrufung vermeidbaren Lärms wird sanktioniert

(12) Die Grenzwerte für NOx und Feinstaub werden gesenkt, damit diese das gesundheitlich vertretbare Risikoniveau berücksichtigen

(13) Für Ultrafeinstaub (PM 0,1) sind europäische Grenzwerte festzulegen, die anden Empfehlungen der Gesundheitswissenschaft ausgerichtet sind. Bis dahin giltdas Minimierungsgebot

(14) Die Flughäfen werden verpflichtet, Maßnahmen zur Reduzierung der UFP-Emissionen "am Boden" zu ergreifen

(15) Der Schwefel- und Aromengehalt im Flugkraftstoff wird zur Senkung dergesundheitsschädlichen Feinstaub- und Ultrafeinstaubbelastung reduziert

(16) Stärkung der Beteiligungsrechte vom Luftverkehr betroffener Bürgerinnen und Bürger und der Kommunen.