WENDLINGEN: 355 Menschen ließen sich typisieren

04.10.2021

Regina Schumacher aus Wendlingen ist an Leukämie erkrankt und benötigt dringend eine passende Stammzellspende. DRK und DLRG riefen deshalb gemeinsam dazu auf, im Treffpunkt Stadtmitte in Wendlingen zum  potentiellen Stammzellenspender zu werden.

WENDLINGEN. (red) - Als OP-Schwester hilft die 31-jährige Regina Schumacher aus Wendlingen anderen Menschen. Jetzt ist sie selbst auf die Hilfe anderer angewiesen. Nachdem sie im vergangenen Jahr an Brustkrebs erkrankte und diesen mit starkem Willen besiegte, folgte der nächste Schicksalsschlag: Diesmal lautete die Diagnose Leukämie - Blutkrebs. Da Regina Schumacher Mitglied bei der DLRG-Ortsgruppe Wendlingen ist, erfuhr Christian Fritz, stellvertretender Leiter Einsatz von der lebensgefährlichen Erkrankung und reagiert sofort, wie die DLRG-Sprecherin Thessy Kiesler erklärt: "Er initiierte die Idee, dass die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) helfen soll und die Verbindung zur DRK-Bereitschaft Wendlingen-Unterensingen nutzt."

Aufgrund der Dringlichkeit, für Regina Schumacher rasch einen passenden Stammzellspender zu finden, wandten sich die DRK-Verantwortlichen umgehend an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) fragten eine Typisierung vor Ort in Wendlingen an. "Die DKMS lehnte jedoch ab, weil sie wegen Corona momentan auf Abstrich-Aktionen verzichtet", erinnert sich Thessy Kiesler enttäuscht an die Absage. Der Blutspende-Dienst des DRK erklärte sich daraufhin bereit, die Typisierung in Wendlingen durchzuführen. Johannes Colshorn von der DRK-Bereitschaft Wendlingen-Unterensingen präzisiert die Zusage: "Wir kennen das Prozedere beim Abstrich für die Stammzellendatei, da wir die Typisierung bei den Blutspendeaktionen immer mitanbieten." So vereinigte sich die Wendlinger Blaulichtfraktion und holte auch gleich noch die Freiwillige Feuerwehr mit ins Boot. Denn: Um die besagte Nadel im Heuhaufen zu finden, brauchte es eine groß angelegte Aktion, damit sich innerhalb kurzer Zeit möglichst viele typisieren lassen können. "Der Raum für die Aktion stand schnell fest. Bürgermeister Steffen Weigel und Hallenverwalterin Birgit Thumm stellten den Treffpunkt Stadtmitte kurzfristig zur Verfügung", freut sich Thessy Kiesler. Sogar der Veranstalter des "mobilen Kinos", der die Räumlichkeiten bereits gebucht hatte, machte für die Typisierung Platz und verschob sein Programm um mehrere Stunden. Gemeinsam erarbeiteten Ehrenamtliche der DLRG und der DRK-Bereitschaft ein coronakonformes Konzept für die geplante Aktion. "Wir entschieden uns für die Variante der Einbahnstraße, damit wir die Abstrichaktion möglichst kontaktlosen durchführen können", beschreibt die DLRG-Sprecherin den Ablauf. Feuerwehrangehörige halfen beim Auf- und Abbau der Aktion. In einem Pavillon auf dem Vorplatz erhielten die Teilnehmer der Typisierungsaktion die benötigten Formulare und einen Fragebogen.

"Im kleinen Saal wurden die Formulare ausgefüllt und nach einer Identitätsprüfung gings dann in den großen Saal zum Abstrich", präzisiert Johannes Colshorn. Da die Teilnehmer der Aktion den Abstrich mittels Wattestäbchen selbst durchführten, standen DRK-Mitglieder mit Rat und Tat zur Seite. Die zwei Wattestäbchen, die zum Testkit gehören, kamen für je 30 Sekunden in den Mund und der Abstrich wurde an beiden Backeninnenseiten genommen.

"Die Stäbchen kommen danach in ein zugehöriges Couvert und wir schicken die gesammelten Abstriche dann der Deutschen Stammzellspenderdatei." Auch wenn die Zahl der Registrierungswilligen mit 355 Abstrichen unter den Erwartungen der durchführenden Hilfsorganisationen blieb, überwiegt die Zuversicht, wie Thessy Kiesler betont: "Vielleicht ist ja gerade unter diesen der passende Lebensretter für Regina."

Freude und Tränen - Weitere Typisierungen erwünscht

Lydia Schumacher, Reginas Mutter, war bei der Typisierungsaktion in Wendlingen vor Ort und freut sich über die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung. Sie hat als Dank für die Typisierung Süßigkeiten für die Spendenwilligen mitgebracht. Regina Schumacher weilt derzeit zur Chemotherapie in einer Klinik. "Sie ist zwar stark, aber es fließen viele Tränen, wenn wir uns sehen", beschreibt Lydia Schumacher die derzeitige Situation. Für den Körper sei die Chemotherapie eine starke Belastung, aber dennoch seien Regina und die Ärzte optimistisch. Erleichtert ist Lydia Schumacher, dass die Klinik den Aufenthalt angenehm gestaltet: "Regina hat ein Zimmer mit Balkon. So kann sie auch mal an die frische Luft, statt nur im Zimmer zu sein." Sie sehen sich täglich. Wenn nicht beim persönlichen Besuch in der Klinik, dann wenigstens am Abend über Videotelefonie, sagt Lydia Schumacher. Sie gibt die Hoffnung nicht auf: "Regina ist ein tapferes Mädchen. Sie wird es schaffen." 

Auch nach der Typisierungsaktion in Wendlingen kann man sich typisieren und in einer der Stammzellspenderdateien registrieren lassen. Die Deutsche Stammzellspenderdatei und die DKMS versenden auf Anfrage entsprechende Typisierungssets. Ebenso kann man den Abstrich auch bei einer Blutspendeaktion des DRK durchführen. Weitere Informationen - auch über den Ablauf einer Stammzellspende - gibt es im Internet unter www.deutsche-stammzellspenderdatei.de oder bei den örtlichen DRK-Bereitschaften.