TRAUBENEICHE GEFRAGT

02.11.2022

Samen der klimastabilen Traubeneiche gefragter denn je. Schurwald liefert Spitzenqualitäten bei der Ernte der Eicheln der Traubeneiche 

BALTMANNSWEILER. (pm) - In den Waldrevieren in Baltmannsweiler und Lichtenwald sind 375 Kilogramm Eicheln der Traubeneiche geerntet worden. Der Baum gilt als eine der wichtigsten Baumarten für die Anpassung des Waldes an den Klimawandel.

Die Traubeneiche wird zukünftig entscheidend zur Stabilität und Vielfalt des Waldes beitragen, sind die Forstfachleute überzeugt. In den Staatswaldrevieren Baltmannsweiler und Lichtenwald im Landkreis Esslingen sind gerade 375 Kilogramm der Eicheln geerntet worden. Aus diesen Samen werden junge Traubeneichen als Pflanzgut gezogen und wieder in den Wäldern ausgepflanzt. Die Ernte wird vom Kreisforstamt streng überwacht, denn geerntet werden darf nur in sogenannten anerkannten Beständen.

Die Früchte der Traubeneiche sind begehrter denn je. Zum einen war das vergangene Jahr für die Saatguternte der Waldbäume ein Totalausfall. Zum anderen ist die Nachfrage nach jungen Eichen derzeit enorm hoch, denn die Baumart gilt als echter Hoffnungsträger im Umbau der Wälder hin zu mehr Klimastabilität. Speziell die Traubeneiche besticht durch ihre Trockenheitstoleranz und eine starke Pfahlwurzel, mit der sie sich auch in regenarmen Zeiten Wasser in tiefen Bodenschichten erschließen kann.

Häufig kommt die Traubeneiche eng vermischt mit ihrer nahen Verwandten, der Stieleiche, vor. Um die Früchte der Traubeneiche möglichst sortenrein gewinnen zu können, wurde auf einer mehr als sechs Hektar großen Waldfläche im Vorfeld Baum für Baum einer genauen Artbestimmung unterzogen. Erst danach konnten Forstwirtauszubildende von ForstBW mit der Saatguternte beginnen. Tatkräftig unterstützt wurden sie von zwei Klassen der Freien Waldorfschule Engelberg und der Magdalenenschule Winterbach, die einen Tag ihrer Waldwoche dem Sammeln von Eichensamen widmeten.

Die Ernte fand im Auftrag der Staatsklenge Nagold statt. Stefan Schweizer von der technischen Leitung der Staatsklenge war im Schurwald vor Ort, um die Ernte zu begleiten. Das Saatgut werde ihm aus den Händen gerissen werden, ist sich Schweizer sicher, denn er bescheinigt den Baltmannsweiler Erntebäumen eine Topqualität.

Das Kreisforstamt Esslingen überwacht die Ernte engmaschig, denn die Gewinnung von Forstsaatgut unterliegt einer strengen gesetzlichen Kontrolle. Da ein Waldbaum weit älter als 100 Jahre wird und in dieser langen Zeitspanne stabil wachsen soll, ist es wichtig, dass ausschließlich qualifiziertes Vermehrungsgut verwendet wird. Am Samen der Bäume ist die Herkunft aber nicht ohne weiteres erkennbar. Man sieht diesem nicht an, ob er von einem Einzelbaum, einem Hausgarten, von Wäldern aus regenreichen Hochlagen oder aus trockenen Tieflagen stammt. Diese Informationen sind aber entscheidend, um zu beurteilen, ob Saatgut für einen bestimmten Standort geeignet ist. Deshalb gilt es, bei der Ernte umfangreiche gesetzliche Regelungen einzuhalten, welche von Förster Jürgen Winter vom Kreisforstamt Esslingen überprüft werden. Die Saatgutbehältnisse werden nach Abschluss der Ernte mit einem Zertifikat versehen, in dem das Herkunftsgebiet genau deklariert ist. Für Waldbesitzer, die später die daraus angezogenen Pflänzchen kaufen und in ihrem Wald auspflanzen, bringt dies die größtmögliche Sicherheit, dass sich die Pflanzen zu einem klimastabilen Wald entwickeln können.