TODSICHERER BUCHTIPP

25.10.2022

Darf man über den Tod und seine Umstände schmunzeln? Ja, man darf. Zumindest, dann wenn ORF-Moderator Patrick Budgen in die Tasten haut und tatsächliche Begräbnispannen pointiert in kurzen Geschichten verarbeitet. Peter Holeczek, Wiener Promi-Bestatter, plauderte aus dem Nähkästchen.

WIEN. (red) - Wie kamen die Bowlingkugeln in den Sarg? Was ist im Branchen-Jargon ein Big Mac? Warum wurde ein toter Schauspieler um das Burgtheater getragen? Wie verhält sich ein Trauerredner, dem plötzlich die Hosen zu den Knien rutschen? Was tun, wenn unter drei Brüdern während der Trauerzeremonie eine Schlägerei ausbricht, weil sie sich nicht einigen können, wer von ihnen den Hund ihrer verstorenen Mutter erbt?

Patrick Budgen beantwortet solche Fragen in seinem neuen Buch "Schluss mit lustig" beschwingt und erheiternd und nimmt dabei dem Tod den Schrecken. Der Tod von einer anderen Seite. Seien es Väter, die, im Urlaub verstorben, der Einfachheit halber am Rücksitz des Familienkombis die Heimreise antreten, ein samt Sarg und Inhalt geklauter Leichenwagen oder irrtümlich zweideutige Sprüche auf den Trauerkränzen: Der zweitgrößte Friedhof Europas hat unzählige Geschichten über Tote und ihre Begräbnisse zu erzählen, die lustig für alle Beteiligten, außer vielleicht für die Toten selbst, sein können. Bei manchen denkt man lieber gar nicht daran, dass sie sich tatsächlich zugetragen haben. Etwa wenn einem Sargträger unter dem Druck seiner geschulterten Last ein deutlich vernehmbarer Wind entfährt. Andere wiederum sind dann doch auch ein wenig tragisch. Etwa die jenes Mannes, der zwanzig Jahre lang jeden Tag seine einst über alles geliebte Sally am Friedhof besucht und es dennoch nicht schafft, im gleichen Grab beigesetzt werden zu dürfen - weil Menschen auf Tierfriedhöfen nicht erlaubt sind und Sally nun einmal ein Hund war. 

Ein Insider erzählt Peter Holeczek, der hier für Budgen aus der Schule plaudert, ist seit 1994 bei der Wiener Bestattung, leitet die Kundenservicezentrale und gilt in der Branche als "Promi-Bestatter". Udo Jürgens, Peter Alexander, Elizabeth T. Spira, Niki Lauda, Fritz Muliar, Johanna Dohnal, Helmut Zilk. Die Liste seiner Kundinnen und Kunden ist lang und liest sich wie das Who is Who der heimischen Kultur- und Politikszene. Aber auch im wahrsten Sinne des Wortes Normalsterbliche zählen zur Klientel des gelernten Maschinenschlossers. Mit der Fähigkeit, über die teils grotesken Pannen (ein Sarg rutsch aus dem Trauerfahrzeug und schlittert an den verstörten Gästen eines Straßencafés vorbei die Straße hinunter) schützt er nicht nur sich selbst sondern auch die Trauernden vor den Schrecken des Todes.

Man bekommt, was man erwartet, wenn man das schwarze Buch mit einem Schuss schwarzem Humor aufschlägt. Hat man eine der Kurzgeschichten gelesen, will man sie alle lesen. Sie sind lebhaft, aber doch pietätvoll erzählt und Patrick Budgen gelingt es, die Leserinnen und Leser hautnah ans Geschehen heranzuführen. Man trauert ein bisschen mit und im gleichen Moment könnte man lauthals loslachen - oder zumindest leise vor sich hin schmunzeln. Und man bedauert es fast, wenn Schluss mit Lustig ist und man die letzte Seite zu Ende gelesen hat.   

INFO: Patrick Budgen, Sohn eines Engländers und einer Halbfranzösin, wuchs in Wien auf. Seit 2005 arbeitet er für den ORF und präsentiert als Moderator das Stadtmagazin Wien heute sowie das Frühfernsehen Guten Morgen Österreich. Der sportbegeisterte Vollblutjournalist und Katzenliebhaber lebt und arbeitet in Wien. 2021 erschien sein erstes Buch "Einsiedlerkrebs". Seine Ode an die Wiener Begräbnisgeschichten erscheint bei edition a, Wien am Samstag, den 29. Oktober 2022.