SCHWÄBISCHE ALB: Mehr Einsätze für die Bergwacht

28.01.2021

Über ein Dutzend mal musste die Bergwacht seit Beginn des Jahres zu Wintersportunfällen ausrücken. Normal sind es durchschnittlich an die 30 Einsätze im ganzen Jahr.

LENNINGEN. (red) - Die Schwäbische Alb war in den letzten Wochen eine Traumwinterlandschaft. Dies zog tausende Wintersportbegeisterte in die Skigebiete. Damit stieg auch die Unfallgefahr auf den Pisten und Hängen. "Die hohen Einsatzzahlen steigen aber eher mit dem länger haltenden Schnee und momentan ist der Ansturm auf die Schwäbische Alb recht hoch", bestätigt Tobias Borde, Leiter der DRK Bergwacht Bereitschaft Lenninger Tal.

Bisher gab es keinen Skiunfall, was vermutlich auf die lange Zeit stillgestandenen Skilifte zurück zu führen ist. "Wir verzeichnen vor allem Unfälle mit Schlitten. Bei der Talfahrt bauen diese Schneegefährte große Geschwindigkeiten auf und da sind Kollisionen mit Personen auf der Piste oder mit fest verbauten Gegenständen absehbar", ergänzt Maximilian Groh, Pressesprecher der Bergwacht Lenninger Tal.

Zumeist seien es aber ungeeignete Geräte, wie Schlauchboote, Skateboards mit abmontierten Rädern oder Traktorreifen, die für eine große Unfallgefahr sorgen. "Aufgrund der Sitzposition sind diese Geräte durch die Menschen kaum noch steuerbar und dann wird's auf der Piste gefährlich", weiß Tobias Borde. Die beiden ehrenamtlichen Bergretter beobachten seit einiger Zeit ein Phänomen auf den Rodelhängen: "In einer Minute nehmen die Skisportler Rücksicht, das heißt, wer sich den Hang rauf bemüht, bleibt an der Seite und in der anderen Minute stehen plötzlich Menschgruppen mitten auf der Piste", erklärt Maximilian Groh. Wenn mit nicht angepasster Geschwindigkeit den Hang runtergesaust wird, besteht die Gefahr der Kollision mit befestigten Gegenständen, wie am 10. Januar 2021 in Donnstetten als sich ein Kind beim Zusammenprall mit einer Holzbank schwer verletzte.

Blindes Vertrauen

Die 27 aktiven ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwacht Lenninger Tal stehen 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche bereit, in Not geratenen Menschen zu helfen. Die Coronapandemie hat, wie bei vielen Hilfsorganisationen, auch der Bergwacht viele gemeinsame Übungen verhindert, weil es die Kontaktbeschränkungen verboten. "Beim realen Einsatz gehört blindes Vertrauen unter den Einsatzkräften dazu. Es muss halt funktionieren", beschreibt Tobias Borde die derzeitige Situation. Maximilian Groh sieht im Lockdown allerdings auch einen Vorteil: "Weil viele zurzeit im Homeoffice arbeiten, sind viele Ehrenamtliche in der Bergwacht noch schneller einsatzbereit." Als zusätzlichen Aufwand, der durch die Corona-Verordnung entsteht, sehen Tobias Borde und Maximilian Groh die hygienische Reinigung der Einsatzfahrzeuge und Rettungsutensilien. "Da kommt mindestens eine halbe Stunde zusätzliche Arbeit zur Einsatzzeit dazu." Losgefahren wird meist vom Feuerwehrgebäude in Oberlenningen. Dort sind auch die beiden Einsatzfahrzeuge der Bergwacht stationiert. "Wer näher bei einem Einsatzort wohnt, fährt jedoch direkt, weil bei Skisportunfällen rasche Hilfe erforderlich ist", erklärt Tobias Borde. Die Bergwacht wird immer dann alarmiert, wenn die Rettungsdienste nicht direkt bis zu verunfallten oder verunglückten Personen hinfahren können.

"Wir erreichen die in Not geratenen Menschen mit unseren Hilfsmitteln, sei es mit dem Motorschlitten oder gar per Seil und bergen diese", erläutert Maximilian Groh das Einsatzgeschehen. "Wer die europaweite Notrufnummer 112 wählt und den Notruf absetzt, bekommt rasch die entsprechende Hilfe. Meist sind wir zweitgleich mit dem Rettungsdienst vor Ort." In schwierigem oder schwer zugänglichem Gelände erfolgt die Bergung durch die Bergwacht.

"Wir bringen Patienten mit Motorschlitten, Akia oder Gebirgstrage entweder dorthin, wo der Rettungswagen hinfahren kann oder fordern direkt die Unterstützung des Rettungshubschraubers an", sagt Tobias Borde. Bei kleineren Einsätzen rückt jeweils der klassische Vorsorgedienst mit zwei Mann aus, je nach Gefahrenlage werden mehr Einsatzkräfte dazu aufgeboten. "Dank des digitalen Systems wissen wir, wer gerade verfügbar oder gar schon vor Ort ist", ergänzt Pressesprecher Groh. Derzeit ist die Bergwacht Lenninger Tal personell zwar gut aufgestellt, "aber wir freuen uns über alle die sich ehrenamtlich engagieren wollen", fügt Tobias Borde an.

Schneevergnügen ohne Schrecken

Damit das Wintersportvergnügen nicht in einer unvorhergesehenen Tragödie endet, geben Tobias Borde und Maximilian Groh einige Tipp.

  • Kinder sollen wenigstens mit einem Fahrradhelm oder dem Skihelm geschützt werden.
  • Auf angepasste Geschwindigkeit und gegenseitige Rücksichtnahme achten.
  • Die Kleidung sollte den Witterungsverhältnissen angepasst werden. Jeans seien nicht schneetauglich, weil diese sehr schnell nass sind und nur langsam trocknen.
  • Wer auf der Piste unterwegs ist, sollte eine Rettungsdecke mitführen. Diese passt in jede Hosentasche.

Wenn doch etwas passiert:

  • Unfallstelle sichern, und sichtbar markieren und den Notruf über die Notrufnummer 112 absetzen
  • Wer die europäische Notrufnummer 112 anruft, sollte das Skigebiet namentlich kennen, damit die Bergwacht nicht sämtliche Skigebiete abfahren muss, um die verunglückte Personen zu finden.
  • Parken bitte nur auf ausgezeichneten Parkplätzen und vor allem Rettungswege freihalten.

Zu guter Letzt:

Die Bergwacht ist nicht nur Rettungsorganisation, sondern kümmert sich auch um den Umweltschutz auf der Schwäbischen Alb. Sie Einsatzkräfte wünschen sich deshalb: "Abfälle sollen wieder mit nach Hause genommen werden. Auch defekte Bobs und Schlitten sollen nicht einfach im Skigebiet gelassen werden."