PLOCHINGEN: Happy End im Reifendrama

15.12.2020

PLOCHINGEN. (red) - "Ich bin so erleichtert, jetzt kann es Weihnachten werden", war die erste Reaktion der gebürtigen Plochinger Bürgerin, Christa Pankrath. Unbekannte hatten vermutlich im November illegal drei Dutzend Reifen auf ihrer Obstwiese entsorgt. Das Ordnungsamt schickte der 74-Jährigen daraufhin eine Bußgeldandrohung von bis zu 100 000 Euro. Nach dem ersten Schreck wandte sich Christa Pankrath an die Polizei und an die Öffentlichkeit. Die Berichte in den Tageszeitungen und in den sozialen Medien lösten einen wahren Sturm von Solidarität aus.

"Bei mir riefen unzählige Leute an, die ihr Bedauern zum Vorfall ausdrückten und auch gleich Hilfe anboten", erinnert sich Christa Pankrath an die ersten Reaktionen. "Ich kam kaum noch vom Telefon weg." Rund 20 Reifenhändler lasen die Medienberichte und meldeten sich beim Ordnungsamt in Plochingen und bei den Redaktionen der Zeitungen. Gerd Blumenstock, Reifenhändler in Plochingen war der erste, der bei Christa Pankrath anrief und ihr kostenlos sofortige Hilfe anbot, um die illegal abgeladenen Reifen nun fachgerecht zu entsorgen. "Die 74-Jährige tat mir leid, da musste ich sofort einspringen", berichtet Gerd Blumenstock. Auch der Reifenhändler Weber aus Ostfildern rief direkt bei Christa Pankrath an, um seine Hilfe anzubieten. Daniel Kwint vom Wendlinger Entsorgungsunternehmen Kurz-Karkassenhandel zeigte sich ebenfalls solidarisch: "Es kann nicht sein, dass die üblen Machenschaften einer Rentnerin zusätzliches Leid bringen."

In den sozialen Medien erlebte die Reifengeschichte aus Plochingen einen Hype und die Kommentare häuften sich. Viele boten ebenfalls Unterstützung an, andere ärgerten sich über den Eifer der Stadtverwaltung: "Liebe Stadt Plochingen kann man da nicht ein Auto vom Bauhof vorbeischicken und der armen Frau unbürokratisch helfen???", bat zum Beispiel ein Facebook User. Wiederum andere beklagten sich in den sozialen Medien, dass dies wohl kein Einzelfall ist. In der Tat, in der Schurwaldregion wurden in den letzten Tagen mehrere illegal entsorgte Reifen gesichtet und zur Anzeige gebracht.

Verwaltung in der öffentlichen Kritik

Während es für Christa Pankrath nun ein Happyend gibt, steht die die Stadtverwaltung in Plochingen weiterhin in der Kritik. Diese richtet sich vor allem gegen das Vorgehen des Ordnungsamtes. In den Kommentaren in den sozialen Medien fragen sich viele User, warum man nicht einfach bei Christa Pankrath angerufen und stattdessen einen Anhörungsbogen mit Bußgeldandrohung geschickt habe. Bürgermeister Frank Buß verteidigt das Vorgehen: "Das war ein normales Verwaltungshandeln der Behörden." Er habe erst durch die sozialen Medien von dem Vorfall erfahren und sich dann eingeschaltet. "Wir sind die Ortspolizeibehörde und müssen illegalen Müllentsorgungen nachgehen", erklärt Frank Buß. Er zeigte sich besorgt, dass es immer wieder Umweltsünder gibt, die in Randgebieten und sogar im Stadtkern ihren Müll liegen lassen. Während die Ermittlungen durch das Polizeirevier Plochingen sowie das Ordnungsamt weitergehen, hat Gerd Blumenstock nun am gestrigen Dienstag die Reifen unter den Augen vieler Pressevertreter und mit Hilfe von Christa Pankrath in seinen Transporter eingeladen. "Ich bin so froh, dass die Pneus wegkommen, da packe ich sogar mit an", sagt die 74-Jährige mit einem milden Lächeln, das man aufgrund des Mund- und Nasenschutzes nur über die Augen erkennen kann. Für sie wurde während dieses aufreibenden Erlebnisses klar: "Man muss sich wehren." Das tat sie und erlebte eine Welle der Solidarität aus der Bevölkerung.

Sie ist den Freunden, Bekannten und den vielen Unterstützern sehr dankbar, dass sie einerseits ruhigere Weihnachtstage verbringen kann und andererseits ihr Lebensziel weiterverfolgen kann: Nämlich 100 Jahre alt zu werden.

Christa Pankrath bedankt sich bei allen Helfern!