NT-HARDT: Es kann nur eine(n) geben!

06.09.2021

An der zwölften Ausgabe der Highland Games auf dem Sportplatz des Sportvereins Hardt lieferten sich die Athleten buchstäblich heiße Wettkämpfe. Zahlreiche Zuschauer feuerten die starken Männer und Frauen an.

Wenn der Nürtinger Stadtteil Hardt für einen Tag von Schottenröcken belagert wird, ist dies nicht etwa eine Invasion des Vereinigten Königreiches, sondern der Festtag für Highlander und Highlanderinnen. 16 muskelbepackte Männer und drei nicht weniger starke Frauen fanden sich auf dem Sportplatz in den Schlagwiesen des Sportvereins Hardt ein, um sich in verschiedenen Disziplinen zu messen. Die zwölfte Auflage der Highland Games, zu der Lokalmatador Andreas Deuschle eingeladen hatte, fand zum einen bei warmem Spätsommerwetter und zum anderen erstmals nach der Coronapandemie wieder vor Publikum statt.

Die 3-G-Regel hielt die zahlreichen Zuschauer nicht ab, die traditionelle Sportveranstaltung zu besuchen und die Athleten bei ihren Wettkämpfen anzufeuern. Und die Disziplinen sind auch nur etwas für Hartgesottene, eben Highlander. Beim Steinstoßen ging es bei den Herren im Kilt darum, zuerst den leichten Stein mit 7,5 Kilogramm und dann den zehn Kilo schweren Stein so weit wie möglich zu stoßen. Bei den Damen betrug das Maximalgewicht des Steins knapp sechs Kilogramm. Nicht weniger anspruchsvoll für die Muskeln war das Hammerwerfen.

Zehn Kilo Eisen wollten da ins Gelände geschleudert werden. Mehr als doppelt so schwer waren im Anschluss die Wurfgewichte. Diesmal ging es aber nicht um die Weite, sondern um die Höhe. Die stärksten Männer, darunter auch Stadtrat Andreas Deuschle konzentrierten ihre Kräfte und warfen die 25,4 Kilo-Gewichte 4,80 Meter hoch. Als Steigerung vergnügten sich die Highlander zuletzt mit den liebevoll Zahnstocher genannten Baumstämmen. Diese sind bis zu sechs Meter lang und bis zu 70 Kilogramm schwer. Kein Wunder also, dass den Zuschauern bei diesem Kräftemessen ein spannendes Spektakel geboten war. Das Publikum bejubelte die Athleten und feuerten sie unter der heißen Sonne an.

Andreas Deuschle war mit der Veranstaltung hoch zufrieden: "Bis jetzt lief alles gut und unfallfrei." Allerdings nicht ganz: Beim Hammerwerfen zielte vermutlich einer der Highlander zu genau und traf mit dem 10-Kilo-Geschoss eine neu angeschaffte Aufbewahrungsbox des Sportvereins Hardt. Sie hat den Treffer nicht überlebt. Der Lokalmatador und Organisator schmunzelnd dazu: "Wir wollen den Zuschauern auf dem Platz ja etwas bieten." Der 53-Jährige hat seit den letzten Highland Games im vergangenen Jahr etwas an Kampfgewicht verloren: "Ich wiege noch 135 Kilogramm bei 1,93 Meter Körpergröße." Erfolge feierte Andreas Deuschle jedoch nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern auch im nahen Ausland. Beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest im schweizerischen Zug gewann er die letzten beiden Steinstoß-Wettbewerbe einarmig mit 40 Kilogramm. Zum Tripple kommt es allerdings nicht mehr, bedauert Andreas Deuschle: "Sie wollen nur noch Schweizer zum Wettbewerb zulassen." Ein Highlight ist für ihn, dass drei Frauen an den Highland Games in Hardt teilnehmen.

Sabine Kentenich, Mollie Hoss-Kuhne und Cynthia Perges ließen sich von den starken Männern jedoch keineswegs beeindrucken - zumal sie selbst auch muskelbepackt sind. Mollie Hoss-Kuhne ist sogar Deutsche Vize-Meisterin der Highland Games. Ihre Leistung stellte sie auch in Nürtingen unter Beweis und stellte zur Freude des Publikums im Hammerwurf mit der Weite von 23,25 Metern einen neuen Deutschen Rekord auf. Für Cynthia Perges war der Wettkampf auf dem Hardter Sportplatz Premiere: "Ich bin zum ersten Mal bei den Highland Games dabei. Es ist sehr anstrengend, macht aber viel Spaß."

Anstrengend war es für alle Athleten und die heißen Temperaturen machten allen zu schaffen. Groß war die Freude, wenn die eigene Bestleistung übertroffen wurde, aber genauso groß war der Ärger, wenn wenige Zentimeter zum gewünschten Ergebnis fehlten.

Für Abwechslung sorgten Boogie und Aliah: Als Boogiestyle Entertainment boten sie den Zuschauern und den Athleten eine perfekte Tanzshow. Auch wenn die Highland Games am Schluss einen Sieger und eine Siegerin finden, ging es den Athleten ums Dabeisein. Andreas Deuschle betont: "Uns geht es vor allem darum, dass alle gut durchkommen und sich gemeinsam mit den Zuschauern über einen spannenden Tag freuen." Hier die jeweils drei ersten Plätze der drei Kategorien:

Männer:
A-Heavys: 1. Philipp Friedemann / 2. Tim Martin Kuhne / 3. Marius Linhoff
Masters: 1. Andreas Deuschle / 2. Michael Horn / 3. Marcel Körber

Damen: 1. Mollie Hoss-Kuhne / 2. Sabine Kentenich / 3. Cynthia Perges 

Sogar die Queen schaut gerne zu

Die Highland Games stammen aus der Zeit der Kelten und deren Könige. Damals dienten sie den Königen als Personalauswahl, wenn diese neue Leibwächter, Boten oder Krieger brauchten. Eine lange Zeit war die Teilnahme an den Wettkämpfen den Männern vorbehalten. Mittlerweile gibt es in diesem fast 1000 Jahre alten Sport verschiedene Alters-, Gewichts, und Leistungsklassen. Die Disziplinen stellen hohe Anforderungen an die Athleten: Kraft und Technik sind gefragt. Der bekannteste Austragungsort der Highland Games ist Braemar, ein Dorf in Schottland. Schirmherrin ist Königin Elisabeth II. Wenn die Queen auf ihrem Sommersitz, dem nahegelegenen Balmoral Castle residiert, schaut sie ganz gerne bei den starken Männern und Frauen vorbei und sieht sich die Wettkämpfe mit Begeisterung an. Die Urtümlichkeit der Highland Games - Akteure im Kilt, Dudelsackmusik und traditionelle Tänze - sorgt für eine besondere Atmosphäre.