Manche mögens dunkel

10.10.2022

Mehr Dunkelheit für Glucke, Trinkerin, Mönch und Co. - Seminar wirbt für insektenverträgliche Außenbeleuchtung in Kommunen. 

ESSLINGEN. (pm) - Umweltschützerinnen und Umweltschützer mahnen vor einer zunehmenden Lichtverschmutzung. Wird mit jeder Menge Beleuchtung die Nacht zum Tage gemacht, trägt dies zum Insektensterben bei. Vor allem die artenreiche Gruppe der Nachtfalter, zu denen beispielsweise die Glucken, Trinkerinnen oder Mönche mit ihren seltsamen Namen gehören, aber auch Fledermäuse sind von der zunehmenden Helligkeit zur Schlafenszeit auch durch Straßenbeleuchtung gefährdet.

Über Möglichkeiten zur Reduktion dieser Beleuchtung konnten sich am 7. Oktober bei dem Seminar "Insektenverträgliche Außenbeleuchtung in der Kommune" im Umweltzentrum in Plochingen rund 60 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Mitarbeitende von Bauhöfen und Straßenmeistereien sowie Fachplanerinnen und Fachplaner der Städte und Gemeinden aus dem Landkreis Esslingen informieren. Eingeladen hatten der Landkreis Esslingen, die Umweltakademie Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Umweltzentrum Neckar Fils, dem BUND Baden-Württemberg und der Stiftung Naturschutzfonds.

In der Veranstaltung wurden eindrücklich die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Auswirkungen der künstlichen Beleuchtung bei Nacht auf Tiere und Pflanzen dargelegt. Gibt es immer weniger Insekten, fehlt anderen Tierarten und -gruppen langfristig die Nahrungsgrundlage - ein Desaster für die Artenvielfalt. Des Weiteren wurden vielfältige praktische Fragen rund um eine insektenfreundliche Außenbeleuchtung in den Kommunen erörtert. Wie kann eine Umrüstung der Straßenbeleuchtung aussehen? Was ist für die Verkehrssicherheit und das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu berücksichtigen? Auch der Aspekt des Energie- und Kostensparens wurde angesprochen. Mischa Allgaier von der Netze BW GmbH stellte das Pilotprojekt insektenfreundliche Beleuchtung der Gemeinde Heiningen (Landkreis Göppingen) vor. Dort wird seit Ende April 2022 in einem Vorreiter-Projekt die Beleuchtungsstärke der Straßenlampen entlang der Ortsdurchfahrt nachts dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen angepasst: Fahren nachts wenige Autos, wird die Beleuchtung zum Schutz der Insekten heruntergeregelt ohne dass die Verkehrssicherheit gefährdet wird. Gleichzeitig werden die Tiere über ein kameragestütztes System beobachtet und gezählt. Die Veranstaltung in Plochingen soll nach dem Willen ihrer Ausrichter dazu beitragen, dass auch andernorts eine intelligente Straßenbeleuchtung zum Schutz der Insekten Schule macht.