LENNINGEN-SCHOPFLOCH: Tor zur Alb jubiliert

05.07.2021

Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, Treffpunkt vieler Naturfreunde und Wanderer besteht seit 25 Jahren. Mit einer Feierstunde wurde am gestrigen Sonntag die Jubiläumswoche eröffnet.

LENNINGEN-SCHOPFLOCH. (red) - Über 500 000 Naturfreunde besuchten seit der Eröffnung am 3. Juli 1996 das Naturschutzzentrum und freuten sich über die zahlreichen Ausstellungen oder nahmen an einer der über 6 000 Veranstaltungen teil. Für Landrat Heinz Eininger, der auch Vorsitzender der Stiftung des Naturschutzzentrum ist, gilt der Ort als Zentrum der Umweltbildung.

"Das Zentrum ist die Drehscheibe für viele Aktivitäten am Nordtor der Schwäbischen Alb", schwärmt der Landrat. Die Schopflocher Alb habe eine große Anziehungskraft und damit eine große Bedeutung in der intakten Natur. "Wir sind uns bewusst, dass es die Balance zwischen Tourismus und Natur braucht, wir müssen aber allem bedenken, mit der Natur achtsam umzugehen", mahnt Heinz Eininger.

Im Blick auf die Vergangenheit, verriet der Landrat, dass der Landkreis Esslingen das Gebäude, samt dem Altmarmor-Steinbruch Lauster, schon vor 35 Jahren gekauft habe. Er bestätigt: "Es ist das erste kreiseigene Naturschutzzentrum in Baden-Württemberg." Rund eine Million Mark hat der Landkreis damals in die erste Ausstattung investiert. Den ersten Schub bekam das Zentrum im Jahre 2005, als die Diskussionen um einen möglichen Nationalpark Schwäbische Alb hochkochten. "Leider fand dieser Vorstoß nur wenig Zustimmung", stellt Heinz Eininger mit Bedauern fest. Doch nur drei Jahre später kam der Durchbruch. "Im Jahr 2008 entstand das Biosphärengebiet Schwäbische Alb und ein Jahr später zeichnete die UNESCO das Gebiet als Biosphärenreservat aus", erinnert sich Landrat Eininger. Er bezeichnet das Naturschutzzentrum als Tor zum Biosphärengebiet. "Es ist ein wichtiger Bestandteil des Reservats." Als Meilenstein in der Geschichte des Zentrums sieht Heinz Eininger den Umbau und die Erweiterung im Jahre 2011: "Es ist seit vielen Jahren Anlaufstelle für Naturfreunde und Wanderer." Das Ziel, der Bevölkerung die Natur näher zu bringen, verfolgt das Naturschutzzentrum auch unter der neuen Führung von Marco Drehmann - der seit Januar dieses Jahres Geschäftsführer ist - weiter. Das Naturschutzzentrum betreut die Naturschutzgebiete "Schopflocher Moor" und "Randecker Maar".

Wolfgang Reimer, Regierungspräsident Stuttgart, berichtete an der Feierstunde, dass die Aufgaben des Naturschutzzentrums in den letzten Jahren zugenommen haben. "Neben des Bildungsauftrags ist die Mitwirkung bei der Betreuung der Naturschutzgebiete dazu gekommen." Er sieht das Zentrum als wichtige Informationsstelle für den Geopark Schwäbische Alb. Trotz aller Freude über das Jubiläum, so der Regierungspräsident, müsse man auch darüber nachdenken, wie es mit der Biodiversität und dem Naturschutz aussieht: "Die Artenvielfalt geht zurück und dies laut der Krefelder Studie sogar in den Naturschutzgebieten." Er ist zufrieden, dass dem Rückgang der Insektenarten mit dem neu geschaffenen Biodiversitätengesetz Einhalt geboten werden soll.

Er mahnt: "Wenn der Kipppunkt in der Vielfalt der Natur erst mal erreicht oder gar überschritten ist, wird es nicht leicht, die Diversität wieder herzustellen. Da sollte jeder drüber nachdenken, was er im eigenen Garten gegen den Verlust unternehmen kann." Wolfgang Reimer lobte das Ehrenamt im Zusammenhang mit dem Naturschutzzentrum Schopflocher Alb: "Das bildet die Verbindung zur ansässigen Bevölkerung. Es braucht die Hobby-Naturschützer, Vogelkundler und Insektenkenner. Sie leisten einen großen Dienst für die Natur." Ein Cello- und Flötenensemble der Musikschule Lenningen umrahmte die Feierstunde unter der Leitung von Vera Reinold mit Musik aus der Sonate in C-Dur von Arcangelo Corelli.

Vor 17 Millionen Jahren im Randecker Maar Zuhause

Oft verwechselt oder verkannt - die Schwebfliege. Ulrich Schmid, stellvertretender Direktor im Rosensteinmuseum, flachste an der Jubiläumsfeier: "Diese Tiere sind nicht der Mainstream, deshalb freue ich mich, die Faszination der Schwebfliege zu präsentieren."

In seinem Vortrag über den Zweiflügler verriet Ulrich Schmid, dass in Deutschland rund 33 000 Arten von Insekten bekannt sind. "Darunter gibt es 561 Bienenarten und 467 verschiedene Schwebfliegensorten." Er bestätigte, dass in den letzten 40 Jahren rund 80 zusätzliche Arten entdeckt wurden. "Die Schwebfliege kommt in der Natur überall vor und ist ein wichtiger Dienstleister im Ökosystem." Da die Bevölkerung die Leistung der Insekten in der letzten Zeit vermehrt monetarisiere, gelte auch die Schwebfliege als wichtiger Bestäuber und Schädlingsbekämpfer im System. Er präzisiert: "Eine Schwebfliegenlarve verputzt in zehn Tagen rund 700 Blattläuse." Der Kreis vom Fressen und gefressen werden schließt sich, weil die Schwebfliegen als Nahrung für Vögel und Spinnen dienen. Diese Insekten haben eine besondere Eigenschaft, wie Ulrich Schmid berichtet: "Sie ziehen zu Beginn der kalten Jahreszeit wie die Zugvögel über hunderte Kilometer Richtung Süden und kommen im Frühjahr wieder." Oft werden die Tiere mit Wespen, Bienen oder Hummeln verwechselt, so der Naturwissenschaftler. "Die typische schwarzgelbe Musterung dient der Abwehr." Die Schwebfliege geht mit dem natürlichen Trend der Menschen, stellt Ulrich Schmid fest: "Es gibt Vegetarier unter diesen Insekten, die Bärlauch als Nahrung lieben." Das Insekt gibt es bedeutend länger als die Menschen, wie Ulrich Schmid behauptet: "Bereits vor 17 Millionen Jahren lebten Schwebfliegen am Uferbereich des Randecker Maars."

Programm der Jubiläumswoche

  • Montag, 5. Juli 2021, 14 - 16 Uhr: Auf der Suche nach der veränderlichen Hummel
  • Dienstag, 6. Juli 2021, 14 bis 15.30 Uhr: Tier im Naturgarten
  • Mittwoch, 7. Juli 2021, 14.30 - 16.30 Uhr: Naturerlebnis für Kinder mit der Honigbiene
  • Mittwoch, 7. Juli 2021, 17 - 18 Uhr: Jubiläumsführung durchs Schopflocher Moor
  • Donnerstag, 8. Juli 2021, 18.30 - 21 Uhr: Abendliche Wanderung durch Streuobstwiesen
  • Freitag, 9. Juli 2021, 15 - 17 Uhr: Wanderung rund um die Bassgeige
  • Samstag, 10. Juli 2021, 9.30 - 13 Uhr: Essbare Pflanzen vor der Haustüre