KREIS: Als an Silvester die Glocken wieder zu hören waren

01.01.2021

JAHRESWECHSEL (red) - Bis kurz vor Mitternacht herrschte im Kreis Esslingen überall gespenstische Ruhe. Die Ausgangsbeschränkungen zeigten Wirkung: Nach 20 Uhr war kaum jemand auf den Straßen und in den Gassen anzutreffen, weder in der Esslinger Altstadt noch auf der Burg. In Ostfildern, Nürtingen und Kirchheim das gleiche Bild: alles menschenleer. Wo sich sonst die Partygänger zu Silvester versammeln, blieb es überall leer - und still. Kein Wunder, wenn alle Clubs, Restaurants und Bars geschlossen haben und man ab 20 Uhr einen triftigen Grund brauchte, um unterwegs zu sein.

Polizeistreifen waren im ganzen Landkreis unterwegs und kontrollierten die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung. Selbst bei der Burg in Esslingen schauten Polizeibeamte, ob sich da nicht ein paar Unentwegte versammelten. Einzig eine Frau war dort mit ihrem Hund für eine Gassi Runde unterwegs. In Ostfildern blieb selbst das sonst beliebte Rondell verwaist und in Kirchheim und Nürtingen fiel der sonst übliche Trubel in den Gassen der Altstadt aus. Nur vereinzelt durchbrachen Feuerwerksknaller die Stille am Silvesterabend und der Himmel blieb bis kurz vor Mitternacht weitestgehend dunkel. Da vermutlich einige Menschen noch Feuerwerk vom vergangenen Jahreswechsel gelagert hatten, blieb die bunte Färbung am Neujahrshimmel nicht aus, wenn auch eher zurückhaltend Feuerwerk gezündet wurde. So zurückhaltend, dass man sogar die Kirchenglocken hören konnte, die das neue Jahr einläuteten. Und die übliche Feuerwerksdunstglocke blieb ebenfalls aus. Waren sonst Menschen bis eine Stunde nach Mitternacht auf den Straßen und begrüßten laut und bunt das Neujahr, war der Spuk dieses Mal nach rund 20 Minuten vorbei und die Stille kehrte zurück.

Fast hätte man so sogar den ersten Schrei des Neujahrsbabys hören können. Um exakt 0.06 Uhr erblickte Benjamin Putra in der Filderklinik in Filderstadt das Licht der Welt. Wie Sigrid Sannwald, Leitende Hebamme im Kreißsaal, verriet ließ sind Mutter, Vater und Sohn wohlauf. Der kleine Benjamin Putra hatte es wohl vorgezogen, noch in der Neujahrsnacht auf die Welt zu kommen, wie Sigrid Sannwald vermutet: "Der Geburtstermin wäre nämlich erst 15 Tage später gewesen." Die erste Geburt in Esslingen war auch gleich eine Besonderheit: "Der 3205 Gramm schwere und 52 Zentimeter große Bub kam mit dem Popo voraus zur Welt, eine sogenannte Beckenendlage." Für die junge Familie ist Benjamin Putra das erste Kind und die Freude ist dementsprechend groß.

Ruhige Schicht für die Einsatzkräfte

Heike Gönninger, Kreisbereitschaftsleiterin des DRK Kreisverbandes Nürtingen-Kirchheim bestätigte eine ruhige Nacht bei den Bereitschaften. "Nur die Bereitschaft Kirchheim hatte kurz nach Mitternacht innerhalb einer Stunde zwei kleinere Brände ( Absicherung der FW Einsatzkräfte) und einen HvO Einsatz." In Nürtingen das gleiche Bild: Keine Einsätze für die Feuerwehr. Benjamin Feuchter, Stv. Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr Reudern vermutet: "Das ist auf das Verbot des Feuerwerksverkaufs zurück zu führen."

Für die Esslinger Feuerwehren gab es in der Silvesternacht einen einzigen Einsatz: "Das war ein PKW-Brand um 20.25 Uhr, der allerdings nicht auf Feuerwerkskörper zurück zu führen ist", bestätigte Oliver Knörzer, Leiter der Esslinger Feuerwehr. "Es war extrem ruhig und wir brauchten keine Verstärkung bei den Einsatzkräften", beschreibt er den Verlauf der Neujahrsnacht. "Die Akustik war im Vergleich zu Vorjahren bemerkbar leiser und die Straßen waren kaum mit Feuerwerksabfällen vermüllt". Für Oliver Knörzer war diese ungewöhnlich stille Silvesternacht etwas Besonderes: "Seit etlichen Jahren hatte ich endlich wieder einmal frei."