KREIS: Pyrotechnikern geht langsam das Pulver aus

31.12.2020

Das Verkaufsverbot für Silvesterknaller nimmt den Pyrotechnikern die letzte Hoffnung auf den erhofften, Umsatz. "Die Branche stirbt", befürchten die Feuerwerker im Kreis Esslingen.

KREIS. (red) - Einige wollten das Coronajahr mit einem Jahrhundertfeuerwerk verabschieden, andere das neue Jahr mit bunten Himmelsfarben empfangen. Die Landesregierung von Baden-Württemberg machte der lauten und leisen Knallerei in der Neujahrsnacht einen Strich durch die Rechnung und verbot den Verkauf von Feuerwerk. Für den Pyrotechniker Karlheinz Walker aus Schlaitdorf ist das Verkaufsverbot wie ein Schlag ins Gesicht: "Es gab keine Feuerwerke für Hochzeiten oder Jubiläumsfeiern, weil in diesem Jahr alles abgesagt wurde. Das war eine glatte Nullserie".

Für Karlheinz Walker ist das Verkaufsverbot ein herber Verlust. "Da macht man sich dann schon Gedanken über die Überbrückung." Vielleicht ein oder zwei Jahre kann Karlheinz Walker fehlende Umsätze in seiner Firma verschmerzen. "Zum Glück haben wir vorher gut gewirtschaftet", sagt er skeptisch. Trotzdem müsse nun mit den Lieferanten gesprochen werden, dass eventuell die Zahlungsziele der Rechnungen an die Situation angepasst werden. Die Zukunft zeigt auch kein Feuerwerk am Himmel, wie Karlheinz Walker traurig feststellt: "Alles, was von Mai bis August stattfindet, muss Anfang des neuen Jahres geplant werden. Aufgrund der fehlenden Sicherheit, ob Großanlässe wieder stattfinden dürfen, plant halt keiner." In Kirchheim beim Feuerwerkshersteller und Händler, Tony Zeccola sieht es nicht weniger dramatisch aus. "Die Situation ist sehr verwirrend", ärgert sich der Kirchheimer Pyrotechniker, "vor knapp vier Wochen war man sich nach einer Debatte noch einig, dass es kein Verkaufsverbot gibt.".

Aus diesem Grund haben die Feuerwerksherstelle entsprechende Werbung veröffentlicht und die Lieferkette für die Raketen, Batterien und Böller anlaufen lassen. "Jetzt darf man plötzlich nichts mehr verkaufen, aber die Regierung erlaubt den Menschen trotzdem Feuerwerk zu schießen." Tony Zeccola ist enttäuscht von dieser Entscheidung und zeitgleich besorgt. "Feuerwerk vom Balkon aus abzufeuern ist hochgradig gefährlich, weil da die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden können. Bei Böllern braucht es mindestens acht Meter Abstand." Bei Raketen und Batterien droht Brandgefahr, wie Zeccola bestätigt. "Diese müssen ungehindert nach oben starten können." Er begrüßt, dass auf belebten Flächen, in der Altstadt oder in der Nähe von Heuballen und Tankstellen kein Feuerwerk gezündet wird.

Dennoch ist für den Pyrotechniker das Verkaufsverbot eine finanzielle Katastrophe: "Rund 50 Prozent des Jahresumsatzes generieren wir mit dem Verkauf von Silvesterfeuerwerk. Die dringend benötigten Einnahmen fallen aber weg, wenn das Verkaufsverbot nicht noch aufgehoben wird." Tony Zeccola ließ das Verbot jedoch nicht auf sich sitzen, sondern hat mehrere Klagen, darunter eine Sammelklage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht. "Das Verbot ist eine Verzerrung des Wettbewerbs, weil man im Ausland sehr wohl Feuerwerk einkaufen kann", ärgert sich der Feuerwerkshändler. Dazu komme, dass viele wieder die sogenannten "Polenböller" im Internet bestellen. "Da steigt die Gefahr von Verletzungen enorm und die Begründung der Regierung, Rettungsdienste und Kliniken zu entlasten löst sich damit in Luft auf."

Feuerwerk kennt kein Ablaufdatum

Am wenigsten Sorgen bereitet es dem Pyrotechniker, wenn zu Silvester übrig gebliebenes Feuerwerk aus dem Keller geholt wird. "Feuerwerk hat kein Ablaufdatum. Bei trockener Lagerung kann dieses jahrelang aufgehoben werden", versichert Tony Zeccola. Im Laden, den der Pyrotechniker in der Paracelsus Straße eröffnet hat, ist es entsprechend leer. "Viele Kunden, die vorbestellt haben, bekommen ihr Geld zurück oder geben sich aus Solidarität mit Gutscheinen fürs kommende Jahr zufrieden", beschreibt Zeccola den Verkaufsstillstand kurz vor Silvester. "Müssten wir allen Kunden das Geld zurückgeben, wären wir finanziell am Ende", stellt er ernüchtert fest. Das Verkaufsverbot zieht nämlich gewaltige Kreise. Der Pyrotechniker erklärt die Misere: "Wir produzieren immer ein Jahr im Voraus. Das heißt, wir haben seit Herbst schon alles am Lager für Silvester 2021. Die ganze Versorgungskette hängt da mit dran, wenn wir nicht mehr produzieren, weil die Lager voll sind."

Dabei hat die Branche in den vergangenen Jahren auf die ständige Kritik reagiert. "Das Umdenken zugunsten der Umwelt fand statt: Wir verzichten auf Plastikteile bei Raketen und ersetzen diese durch Maisstärke. Auch die Verpackung besteht mehr und mehr aus Pappe", erläutert Tony Zeccola. Bei den Kanonenschlägen verzichtet die Branche ganz auf schädliches Material und setzt dafür auf recycelte Verpackungsmaterialien. Eine Neuheit ist das Mehrwegsystem bei Feuertöpfen. "Der Zylinder ist aus Kunststoff und kann nach Gebrauch an uns zurückgegeben werden. Es ist aber kein Pfandsystem." Selbst für Haustierbesitzer gibt es gute Neuigkeiten. "Das hundefreundliche Feuerwerk kommt ohne Knall aus und wir bieten leise Feuerwerksbatterien an", freut sich Zeccola. Und wie verbringen die Pyrotechniker Silvester? Tony Zeccola: "Wie jedes Jahr daheim mit der Familie sowie Hund, Katze und Siebenschläfer - und viel Feuerwerk."