KREIS: 10.000 Unterschriften gegen Fluglärm

15.10.2021

Innerhalb von drei Wochen haben drei Bürgerinitiativen, die unter dem gemeinsamen Dach "Vereint gegen Fluglärm" agieren, über 10.000 Unterschriften in einer Onlinepetition und in drei Briefen an die Initiatoren der geplanten Flugroutenänderung gesammelt.

NÜRTINGEN/WOLFSCHLUGEN/NEUHAUSEN. (pm) - Die Deutsche Flugsicherung hat auf Vorschlag der Fluggesellschaften Eurowings und Deutsche Lufthansa eine neue Abflugroute vom Flughafen Stuttgart in Richtung Süden geplant und dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherheit zur Genehmigung vorgelegt. Bereits am 2. November soll die Fluglärmkommission Stuttgart über diese neue zusätzliche Flugroute beraten und abstimmen.

"Seit Bekanntgabe der Maßnahme auf verschiedenen Bürgerversammlungen steht bei mir das Telefon nicht mehr still", so Rolf Keck, Sprecher der Bürgerinitiativen in den hauptbetroffenen Gemeinden auf den östlichen Fildern und im Raum Nürtingen. "Die Menschen sind entsetzt, dass sie jetzt noch mehr Lärm als bisher abbekommen sollen", so Keck. "Das Verfahren sei völlig intransparent, ein vorheriger breiter Dialog mit den Bürgern ist darin nicht vorgesehen". Bei einigen Versammlungen informierten zwei Piloten von der Lufthansa und der Eurowings über die Flugrouten. Weder der Lärmschutzverantwortliche des Flughafens, noch jemand aus der Lärmschutzkommission oder von der Deutschen Flugsicherung waren zugegen. Alle gelieferten Daten stammten aus Computersimulationen. Notwendige Fakten zu realen Lärmmessungen, anderen, bereits vorhandenen Lärmquellen oder auch Windeinflüsse, blieben unberücksichtigt. "Aus Daten, die lediglich aus Simulationen stammen, kann man keine ernstzunehmenden Schlüsse ziehen. Diese drücken in keiner Weise aus, was auf die Menschen tatsächlich in Wirklichkeit zukommen wird.

Jede Straße, jede Eisenbahntrasse, jedes Windrad wird sorgfältiger im offenen Bürgerdialog und in sogenannten umfangreichen Planfeststellungsverfahren über Jahre hinweg geplant. Neue Flugrouten werden den Menschen einfach überstülpt", so Keck.

Deshalb wurden die drei Bürgerinitiativen in Nürtingen/Oberensingen/Hardt, Wolfschlugen und Neuhausen gegründet. "In Windeseile haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger gefunden, die uns beim Unterschriften sammeln unterstützen". Neben den drei ortsgebundenen Briefen, die an die Entscheidungsträger selbst gerichtet sind, wurde ortsübergreifend bei der Petitionsplattform "Change.org" eine Petition gegen die neue Flugroute gestartet, die inzwischen über 8700 Unterzeichner hat. Dazu kommen die Unterschriftslisten mit den Briefen an die Initiatoren, auf denen inzwischen auch schon über 2000 Bürger Ihre Protest-Unterschrift gesetzt haben. Ein Ergebnis, mit dem in so kurzer Zeit niemand rechnen konnte.

Diese eindrucksvolle Resonanz fand in der Politik offenbar Gehör: Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat, zusammen mit Verkehrsminister Hermann, für Mittwoch, 20. Oktober zu einer Virtuellen Konferenz eingeladen, bei der die neue Flugroute erläutert und Fragen dazu beantwortet werden sollen. "Die Bürgerinitiativen sind bis heute nicht dazu eingeladen", so Andreas Bierlein, Koordinator der Bürgerinitiative Nürtingen/Oberensingen/Hardt. "Wir lassen uns als Bürger dadurch nicht klein kriegen und sammeln bis zum 28. Oktober fleißig weitere Unterschriften, die dann am 29. Oktober unter Begleitung der Presse an den Ministerpräsidenten förmlich übergeben werden sollen" so Bierlein weiter. Am 02. November wird dann die Lärmschutzkommission zusammentreten und einen Beschluss fassen.

"Das darf nicht sein und muss unter allen Umständen zumindest verschoben werden", so die Bürgerinitiativen. "Wir brauchen erst unabhängige Gutachten, Lärmmessungen unter Realbedingungen und Berücksichtigung aller Lärmquellen, also belastbare Zahlen, Daten und Fakten, bevor hier so weitreichende Entscheidungen für die Bürger fallen".

In folgenden, offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann bitten die Initiatoren den Landesvater um einen Termin für die Übergabe der Unterschriften:

<<Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,

mit großer Bestürzung haben wir Bürger*innen auf den östlichen Fildern sowie in Ihrem Wahlkreis, im gesamten Umkreis von Nürtingen, auf die Nachricht reagiert, dass der Flughafen Stuttgart plant, ab Sommer 2022 eine neue Flugroute bei Oststarts nach Süden einzurichten.

Da unsere Kommunen schon heute mit großem Lärm aus unterschiedlichsten Quellen zu kämpfen haben, ist ein weiterer gravierender Anstieg nicht mehr zu tolerieren.

In einer beispiellosen Aktion haben sich innerhalb kürzester Zeit drei Bürgerinitiativen gebildet und unter dem Namen "Vereint gegen Fluglärm" zusammengeschlossen. In einem Offenen Brief an Sie, die Deutsche Flugsicherung sowie das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherheit wenden wir uns heute an Sie, verehrter Herr Ministerpräsident.

Innerhalb von nur 3 Wochen haben die drei ortsspezifischen Briefe sowie unsere übergeordnete Online Petition mehr als 10.000 Bürgerinnen und Bürger unterschrieben und sich gegen die neue Abflugroute des Flughafens Stuttgart ausgesprochen.
Die Unterschriftensammlung wird bis zum 28.10.21 fortgesetzt.

Am 29.10.21 möchten wir die Unterschriften an Sie, Herr Ministerpräsident Kretschmann, förmlich übergeben. Wir bitten Sie diesbezüglich sich an diesem Tag eine Stunde Zeit für uns zu nehmen, um die Unterschriften in Empfang zu nehmen.

Es ist nicht nur der Lärm, den die Bürger*innen fürchten, es ist auch das Verfahren, wie kurzfristig in Bürgerversammlungen zwei Piloten der Deutschen Lufthansa und der Eurowings versuchten, uns die neue Route zu erläutern.

Weder der Lärmschutzverantwortliche des Flughafens, noch jemand aus der Lärmschutzkommission oder von der Deutschen Flugsicherung waren zugegen. Alle gelieferten Daten stammten aus Computersimulationen. Notwendige Fakten zu realen Lärmmessungen, anderen, bereits vorhandenen Lärmquellen oder auch Windeinflüsse, blieben unberücksichtigt. In keiner Weise konnten sich die anwesenden Menschen tatsächlich ein Bild davon machen, was in Wirklichkeit auf Sie zukommen wird.

Am kommenden Mittwoch haben Sie zu einer Telefonkonferenz zu diesem Thema eingeladen. Wir, die Vertreter der Bürgerinitiativen haben bislang keine Einladung bekommen. Mit Schrecken sehen wir dem 2. November entgegen, an dem die Lärmschutzkommission zusammentreten und einen Beschluss fassen soll. Bevor hier eine so weitreichende Entscheidung für die Bürger*innen getroffen wird, benötigen wir unabhängige Gutachten, Lärmmessungen unter Realbedingungen und Berücksichtigung aller Lärmquellen, also belastbare Zahlen, Daten und Fakten sowie einen offenen Bürgerdialog.>>