FEUERWEHRGEBÄUDE SIND LEUCHTTÜRME DER KOMMUNEN

21.10.2022

Blackout vor wenigen Tagen: Stromausfall am hellichten Tag in Nürtingen und dem Stadtteil Reudern für gut 40 Minuten. In der darauffolgenden Nacht fiel der Strom fast zeitgleich in zwei Nürtinger Stadtgebieten nochmals aus. Ein Grund zur Sorge? Nein, sagen die Hilfsorganisationen - sie sind gut vorbereitet.

KREIS ESSLINGEN. (red) - Was früher als völlig abstraktes Szenario abgetan wurde, ist heute, wie erst vor wenigen Tagen erlebt, gegenwärtiger denn je. Die Frage ist auch nicht mehr ob, sondern wann und für wie lange es zu einem möglichen Blackout kommt. Aus Sorge vor einem längeren und großflächigen Stromausfall kaufen sich immer mehr Menschen ein Notstromaggregat. Das führte in den letzten Wochen dazu, dass den Baumärk­ten die Stromerzeuger ausgingen und in den entsprechenden Regalen nun gähnende ­Leere herrscht. 

Diese Erfahrung teilt auch Axel Steeb, Marktleiter bei Toom in Kirchheim: "Wir haben bereits vor einigen Wochen eine größere Menge an Stromerzeugern beschafft, und innerhalb kurzer Zeit waren diese ausverkauft." Kundinnen und Kunden muss er derzeit immer wieder vertrösten. "Wir bestellten zwar umgehend weitere Geräte, aber durch Schwierigkeiten in der Lieferkette gibt es monatelange Wartezeiten", erklärt Axel Steeb. 

Hilfsorganisationen, wie beispielsweise der Kirchheimer Feuerwehr geht es derweil nicht besser. "Momentan betragen die Lieferzeiten für Aggregate bis zu acht Monate", beschreibt Kirchheims Stadtbrandmeister Michael Briki die Liefersituation. Obwohl die Feuerwehr mehrere mobile Stromaggregate besitzt, rüstet sie weiter auf. "Die Feuerwehrhäuser der Stadt müssen mit entsprechenden Anlagen ausgestattet sein. Es gibt für alle Wachen eine Stromeinspeisung über fest stehende Aggregate", erklärt Michael Briki.

Sollte es je zum Blackout kommen, ist das Feuerwehrhaus der Leuchtturm in der Gemeinde. "Wenn es im Stadtgebiet durch einen Stromausfall dunkel wird, bleiben die Feuerwehrgebäude hell erleuchtet", sagt der Stadtbrandmeister. Den Feuerwehrangehörigen stehen Notfallpläne für verschiedene Szenarien zur Verfügung. Deshalb verfahren alle Feuerwehren gleich, wenn eine Notsituation eintritt. Dies ist auch bei einem großflächigen Stromausfall so, wie Michael Briki weiß: "Wir sind unabhängig vom Stromnetz und können mindestens 72 Stunden autark arbeiten und während der ersten acht Stunden alarmieren." In einem solchen Fall werden die Feuerwehrhäuser der Stadt umgehend besetzt und die Bevölkerung gegebenenfalls über Lautsprecherfahrzeuge und mobile Sirenen informiert, erklärt der Stadtbrandmeister die ersten Schritte. "Wir haben verschiedene Einsatzfahrzeuge mit mobilen Notstromgeräten und die meis­ten Fahrzeuge stehen ständig bereit, damit wir jederzeit Hilfe leisten können." Ebenfalls vorgesehen ist im Katastrophenfall die Einrichtung eines gemeinsamen Führungsstabs mit den Kommunen. "Wir sind bei einem möglichen Blackout erster Ansprechpartner für die Kommunen."

Rettungsdienste stellen die Versorgung der Bevölkerung sicher

Die Rettungsdienste leisten einen ebenso wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung im Notfall.

Für Marc Lippe, Bezirksgeschäftsführer der Malteser Neckar-Alb, ist ein drohender Blackout noch weit weg, aber: "Es wäre eine neue Dimension eines Stromausfalls von weit mehr als acht Stunden." Der Malteser-Rettungsdienst reagiert zwar nicht panisch auf die mögliche Bedrohungslage, sorgt aber dennoch vor. Marc Lippe präzisiert die Vorkehrungen: "Wir installieren in den Rettungswachen Stromeinspeisungen und bauen die Schließanlagen so um, dass sie im Notbetrieb manuell bedient werden können." Da die Rettungsdienste Teil des Katastrophenschutzes im Land sind, gibt es ausgearbeitete Grundrahmenrichtlinien, mit denen die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden soll. "Wir sind auf mögliche Szenarien gut vorbereitet", bestätigt Marc Lippe. 

Polizei und THW sind auf einen möglichen Blackout vorbereitet

Wenn es zu kleineren Stromausfällen kommt, laufen die Drähte des Polizeinotrufs 110 heiß. Besorgte Bürger, die im Kreis Esslingen diese Notrufnummer wählen, landen mit ihrem Anruf im Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums in Reutlingen. "Wenn in der Vergangenheit Stromausfälle vorkamen - das kann ja auch aus ganz anderen Gründen mal passieren, beispielsweise aufgrund technischer Ursachen oder weil bei Bauarbeiten ein Kabel beschädigt wird, gab es regelmäßig Anrufe von Bürgern bei der Polizei, die dann am Einzelfall und der konkreten Fragestellung orientiert beantwortet wurden", erklärt die Polizeisprecherin Andrea Kopp. Auf einen möglichen "Blackout", betont Andrea Kopp, ist die Polizei vorbereitet: "Bedeutende Liegenschaften der Polizei verfügen bereits über entsprechende Vorkehrungen, um in so einem Fall eine Notstromversorgung zu gewährleisten. Infolge der aktuellen Ereignisse wurde nochmals explizit die Energieversorgung der Dienststellen überprüft." Darüber hinaus steht die Polizei laut der Pressesprecherin in engem Kontakt mit den Kommunen, Behörden und Institutionen. "Einsatztaktisch sind wir darauf eingestellt, unsere polizeilichen Maßnahmen und unsere Präsenz im öffentlichen Raum bei Bedarf und wo erforderlich zu verstärken, um die Sicherheit zu gewährleisten und auch positiv auf das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung einzuwirken", sagt Andrea Kopp.

Das Technische Hilfswerk (THW) ist laut Pressesprecher Michael Kretz mit bundesweit 120 Fachgruppen Elektroversorgung in der Lage, Stromausfälle zu überbrücken und Strom in Netze einzuspeisen. "Diese spezialisierten Fachgruppen verfügen über leistungsfähige, mobile Stromerzeuger, um Notstrom zur Verfügung zu stellen. Neben den Fachgruppen Elektroversorgung verfügt das THW bundesweit in fast allen Ortsverbänden über sogenannte Fachgruppen Notversorgung und Notinstandsetzung. Diese sind in der Lage, provisorisch Kritische Infrastrukturen zu unterstützen. Bei größeren Einsätzen können THW-Kräfte mehrere Stromerzeuger, so genannte Netzersatzanlagen, miteinander koppeln. Diese leiten die erzeugte Energie dann direkt in Netze, die vom öffentlichen Stromnetz getrennt wurden. Aber auch Krankenhäuser oder öffentlichen Einrichtungen kann das THW im Notfall mit Strom versorgen. Die Einsatzkräfte dieser Fachgruppen nehmen regelmäßig an Ausbildungen und Übungen teil, um ihren Ausbildungsstand hoch zu halten", so Michael Kretz. Er hofft, dass der Ernstfall nicht eintrifft und bestätigt, dass das THW jedoch bestens vorbereitet ist: "Als Zivil- und Katastrophenschutzorganisation gehört es zum Einsatzspektrum des THW, auf Stromausfälle vorbereitet zu sein. Unsere Planungen berücksichtigen auch Szenarien, die sehr selten - im besten Fall nie - eintreten werden. Dazu gehört auch die Vorbereitung auf großflächige Stromausfälle. Ein Risiko von Stromausfällen besteht immer - wie auch die vergangenen Jahre zeigen. Das THW ist auch in diesen Winter auf eventuelle Ausfälle vorbereitet."

Info: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe stellt im Internet unter www.bbk.bund.de nützliche Tipps zur Vorsorge zur Verfügung.

Service: Die Notrufnummern in Deutschland (Quelle: https://im.baden-wuerttemberg.de/)

112 - Feuerwehr und Rettungsdienst

Bei Bränden, Unglücksfällen oder bei lebensbedrohlichen Unfällen und bei medizinischen Notfällen wenden Sie sich an die Feuerwehr bzw. den Rettungsdienst. Beide erreichen Sie unter derselben Nummer. Die Nummer funktioniert ohne Vorwahl. Sie werden zur örtlich zuständigen Leitstelle geleitet. Die 112 gilt europaweit und ist kostenlos, egal ob Sie von zu Hause oder mit dem Mobiltelefon anrufen. In weniger schwerwiegenden Fällen hilft Ihnen der Ärztliche Bereitschaftsdienst (siehe unten).

110 - Polizei

Die Polizei erreichen Sie über den bekannten Polizei-Notruf 110. Alle Notrufe, die über die 110 eingehen, werden von speziell geschulten Polizeibeamtinnen und -beamten in den Führungs- und Lagezentren im Land entgegengenommen. Die 110 gilt für Ihren Festnetzanschluss genauso wie für Ihr Mobiltelefon. Wählen Sie diese Nummer aber bitte nur in Notfällen. 

16117 - Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Handelt es sich um eine Erkrankung, mit der Sie normalerweise einen niedergelassenen Arzt in der Praxis aufsuchen würden, aber die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Sie erreichen ihn unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116117. Die Nummer funktioniert ohne Vorwahl.

Sie gilt deutschlandweit und ist kostenlos, egal ob Sie von zu Hause oder mit dem Mobiltelefon anrufen.

Bei jedem Notruf gilt:

Bewahren Sie Ruhe und lassen sich durch das Gespräch führen. Zur Vorbereitung auf den Notruf können Sie folgende Fragen für sich beantworten:

  • Wer ruft an? (Name, Standort, Telefonnummer)
  • Wo ist das passiert? (Ort des Ereignisses, Adresse)
  • Was ist geschehen? (Beschreibung des Ereignisses, Verkehrsunfall, Brand, häuslicher Unfall etc.)
  • Wie viele Verletzte / Betroffene gibt es? (Zahl der betroffenen Personen, ihre Lage und die Verletzungen)
  • Warten Sie auf Rückfragen. Beenden Sie den Notruf bitte erst, wenn Sie dazu aufgefordert werden.

Bei Bedarf erhalten Sie am Ende des Notrufes noch Hinweise, wie Sie Erste Hilfe leisten können oder welches Verhalten empfehlenswert ist. Warten Sie bitte das Eintreffen der Rettungskräfte ab, weisen Sie diese bei Bedarf ein und teilen Sie ihnen eventuell wichtige Beobachtungen mit.