Feuerwehr probt Ernstfall

09.10.2022

Am Samstag fand in Schlaitdorf die jährliche Großübung mit über 70 Einsatzkräften aus dem Verwaltungsverband Neckartenzlingen statt.

SCHLAITDORF. (pm) - Kommt es zu einem Großbrand oder einem schweren Verkehrsunfall müssen Feuerwehr und Rettungsdienst rasch Hilfe leisten und Hand in Hand arbeiten. Dabei kommt es auf jede Sekunde an und von den Einsatzkräften wird minutiöses Vorgehen abverlangt. Genau dies übten die sechs Feuerwehren aus dem Verwaltungsverband Neckartenzlingen gemeinsam mit Rettungskräften der Malteser im Bezirk Neckar-Alb.

Zum Verband gehören die Wehren aus Altenriet, Altdorf, Bempflingen, Neckartailfingen, Neckartenzlingen und Schlaitdorf. Letztere organisierte in diesem Jahr die Großübung in Schlaitdorf. Kommandant Benjamin Abel zeigte sich erleichtert: "Endlich können wir die so wichtigen gemeinsamen Übungen wieder durchführen. Corona hat uns zwei Jahre lang einen Strich durch die Rechnung gemacht." Gut 25 Stunden hat er mit seinem Führungsteam in die Planung der Großübung investiert. Benjamin Abel leitet 35 Feuerwehrangehörige in der Einsatzabteilung. Bei der diesjährigen Übung gab es für die Schlaitdorfer Wehr eine Premiere. Feuerwehrkommandant Benjamin Abel präzisiert: "Die neue Führungsgruppe übt den Ernstfall zum ersten Mal unter Live-Bedingungen."

Die geplanten Übungsszenarien präsentierten sich äußerst realistisch. Während an einer Einsatzstelle die Maschinenhalle eines örtlichen Landwirts in Brand geriet, ereignete sich unweit davon ein schwerer Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten und schwer verletzten Radfahrerin. Zum Übungsbeginn am Samstag um 15 Uhr versammelten sich gut 100 Schaulustige bei der Maschinenhalle. Zusätzlich zum stillen Alarm ertönte die Sirene vom Dach des Schlaitdorfer Rathauses. Zum Brand in der Halle rückten nach der ersten Alarmierung die Feuerwehrangehörigen aus Schlaitdorf und Altenriet aus. Kommandant und Einsatzleiter Benjamin Abel forderte beim Eintreffen am Brandort über Funk weitere Einsatzkräfte an. Nun galt es auch für die Wehren aus Neckartailfingen und Neckartenzlingen, möglichst rasch am Brandherd einzutreffen. Vor Ort wurde bekannt, dass sich Personen im brennenden und mittlerweile stark verrauchten Gebäude aufhielten. Es war klar, man musste sofort in die Maschinenhalle gelangen, um die vermuteten Personen aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Eine verschlossene Türe war für die Schlaitdorfer Feuerwehrangehörigen jedoch kein Hindernis. Rasch konnten sie Türe mit entsprechendem Werkzeug öffnen und damit den Weg für den Angriffstrupp zur Personensuche freimachen.

Unter Atemschutz und mit einem C-Rohr gelangten die ersten Feuerwehrkräfte in die Halle und erhielten bei der Suche Unterstützung der Wehrleute aus Altenriet. Mit Martinshorn und Blaulicht erreichte die Feuerwehr aus Neckartailfingen den Einsatzort und begann umgehend mit der Brandbekämpfung rund um die Maschinenhalle. Wenige Minuten später trafen die Feuerwehrkameraden aus Neckartenzlingen ein und bauten eine gut 800 Meter lange Wasserversorgung auf, da am Brandort selbst kein Hydrant vorhanden war.

Die Suchtrupps waren indes erfolgreich und konnten einen Jungen aus dem Gebäude schaffen und ihn an den inzwischen eingetroffenen Rettungsdienst zur weiteren Versorgung übergeben. Kurze Zeit später war auch die zweite Person in Sicherheit. Als wäre der Brand nicht schon Belastung für die Feuerwehrangehörigen genug, nahm das zweite Übungsszenario seinen Lauf: Auf der Straße K1256, zwischen Schlaitdorf und Neckartailfingen ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall zwischen einem Pkw und einer Radfahrerin.

Unter dem Stichwort "Eingeklemmte Person" wurden die Feuerwehren aus Altdorf und Bempflingen sowie ein weiteres Rettungsteam der Malteser Neckar-Alb alarmiert. Beim Eintreffen am Unfallort stellten die Feuerwehrangehörigen fest, dass die Radfahrerin tatsächlich unter dem Pkw eingeklemmt war. Da beim beteiligten Fahrzeug Brandgefahr herrschte, entschieden sich die Wehrleute, die über Schmerzen am Rücken klagende Radfahrerin zu befreien. Die verletzte Radfahrerin wurde von Maja, einem Mädchen der Jugendfeuerwehr Schlaitdorf gespielt. Sie musste für die Übung nicht mit Schminke vorbereitet werden, da sie am linken Arm einen echten Gips trug. "Ich bin gestolpert und habe mir dabei den Unterarm gebrochen", erklärte sie ihr Malheur. Für weitere Erklärungen aus Majas realem Leben blieb allerdings keine Zeit mehr, weil die Übungsplanung eine unangenehme Überraschung für die Einsatzkräfte bereithielt: Das am Unfall beteiligte Fahrzeug geriet in Brand.

Die Feuerwehrangehörigen rückten dem Feuer und dem schwarzen Qualm mit Wasser zu Leibe und konnten den Brand löschen. Die Rettungskräfte der Malteser übernahmen die schonende Erstversorgung der verletzten Radfahrerin und packten von der Schaufeltrage in eine Vakuummatratze, um sie anschließend rückenschonend in die Klinik zu fahren. Nach gut 45 Minuten gab es von Einsatzleiter Benjamin Abel die erlösende Durchsage per Funk an alle beteiligten Kräfte: "Übungsende!" Bei der anschließenden Nachbesprechung im Schlaitdorfer Feuerwehrhaus lobte Benjamin Abel die beteiligten Einsatzkräfte: "Wir haben alle Ziele erreicht. Ich bin mit der Leistung der Wehr- und Rettungskräfte zufrieden." Ralf Bader, stellvertretender Kreisbrandmeister und Stadtbrandmeister in Nürtingen, der die Großübung mit Argusaugen beobachtete, wies auf einige kleinere Verbesserungspotentiale hin.