ESSLINGEN: Welle der Solidarität für Erdbebenopfer in Kroatien

24.01.2021

Seit dem verheerenden Erdbeben am Ende des vergangenen Jahres im kroatischen Landkreis Sisak-Moslavina rollten bisher mehrere Hilfskonvois aus Deutschland und benachbarten Ländern in das gebeutelte Gebiet, um Hilfe zu leisten. Der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg schickte bereits am 1. Januar mehrere Sattelzüge und Transporter mit ersten Hilfsgütern nach Sisak. Mit dabei war nebst anderen Hilfsorganisationen auch der DRK Kreisverband Esslingen.

ESSLINGEN. (red) - Während dieser Aktion knüpften die DRK-Vertreter vor Ort Kontakt mit dem Krankenhaus in Sisak und der ansässigen Ortsverbänden. "Die Rotkreuzverbände haben uns vor Kurzem ein Hilfeersuchen nach weiteren dringend benötigten Hilfsgütern geschickt", erklärt Martin Kuhn, stv. Kreisbereitschaftsleiter des DRK Kreisverbandes Esslingen. Nach der erfolgten Bewilligung durch das DRK-Generalsekretariat in Berlin, starteten die Esslinger DRK-Mitglieder einen erneuten Spendenaufruf in der Bevölkerung und bei anderen DRK Kreisverbänden.

Bereits am Samstag, 16. Januar konnten bei der Sammelstelle des DRK in der Kurt-Schumacher-Straße erste Hilfsgüter abgegeben werden. "Schon beim ersten Annahmetag war die Spendenbereitschaft groß."

Doch was am vergangenen Samstag bei der Sammelstelle los war, überraschte alle: Mehrere DRK Kreisverbände in Baden-Württemberg, darunter die aus den Landkreisen Reutlingen, Schorndorf und Ulm brachten Lastwagenweise Spenden für die Erdbebenopfer nach Esslingen. "Wir sind überwältigt", sagt Martin Kuhn gerührt, "mit so viel Hilfsbereitschaft haben wir gar nicht gerechnet." Palettenweise stapelten sich am vergangenen Samstag Geschirr, Hilfsdecken, Kleidung, Hygieneartikel und weitere Spenden an der Sammelstelle.

"Wir haben sogar 15 Krankenhausbetten und 25 Betten für Kinder bekommen", freut sich Martin Kuhn, der den weiteren Hilfskonvoi organisiert. Bisher standen vier LKW und zwei Begleitfahrzeuge für den Transport bereit. Kuhn vermutet aber, dass noch weitere Fahrzeuge benötigt werden. "Wir nehmen am Sammelplatz in der Kurt-Schumacher-Straße 43 am kommenden Samstag, 30. Januar 2021, nochmals von 9 bis 13 Uhr Spenden an, danach sehen wir, ob weitere Transporter benötigt werden". Der Hilfskonvoi soll am 4. Februar abends losfahren und die gesammelten Spendengüter am Tag danach in Sisak abzuliefern.

600 Nachbeben verbreiten Angst und Schrecken

Kroatiens Vertreter in Baden-Württemberg, Generalkonsul Ivan Sablić, besuchte am vergangenen Samstag die Sammelstelle in Esslingen zusammen mit Oberbürgermeister Jürgen Zieger. Beide waren von der großen Hilfsbereitschaft überwältigt und bedankten sich für die beispiellose Welle der Solidarität.

Ivan Sablić beschreibt die derzeitige Situation in der kroatischen Region Sisak-Moslavina als sehr schwer: "Wir haben rund 40 000 betroffene Gebäude. Knapp die Hälfte ist statisch geprüft und davon sind rund 90 Prozent stark beschädigt." Mehrere tausend Menschen müssen derzeit in notdürftigen Behausungen leben, zum Teil auf der Straße. "Im betroffenen Gebiet herrschen jetzt Temperaturen von minus 10 bis minus 15 Grad. Wir benötigen dringend weitere Wohncontainer für die Geschädigten." Dazu kommt für die Erdbebenopfer die ständige Angst vor weiteren Beben. Generalkonsul Ivan Sablić präzisiert: "Nebst zwei großen Beben gab es rund 600 Nachbeben. Insgesamt beklagen wir sieben Todesopfer und mehrere hundert Verletzte rund um Sisak." Für die Hilfswellen aus Baden-Württemberg ist der Generalkonsul dankbar.

"Feuerwehren, DRK, Malteser haben rasch geholfen und eine große Solidarität mit den Erdbebengeschädigten gezeigt." Jetzt gelte es, allen Geschädigten eine vernünftige Behausung zu beschaffen und mit dem Wiederaufbau zu beginnen. "Sisak-Moslavina ist ein strukturschwacher Teil in von Kroatien. Wir müssen jetzt die sozialen Strukturen wiederaufbauen", betont Ivan Sablić betroffen. Dass der DRK Kreisverband sogar ein Transportfahrzeug für die Erdbebenregion spendet, freut den Generalkonsul besonders. "Damit können die Hilfsgüter direkt an die Notleidenden ausliefern." Zur Sammelaktion des DRK in Esslingen und den vielen Spenden sagt der Generalkonsul gerührt: "Die überwältigende Hilfsbereitschaft zeigt, dass Europa auch im Herzen der Menschen vereint ist."

Folgende Hilfsgüter werden noch benötigt

Am Samstag, 30. Januar 2021, von 9 bis 13 Uhr nehmen die Helfer des DRK KV Esslingen in der Kurt-Schumacher-Straße 43 in Esslingen gerne weitere Spenden entgegen. "Kleidung haben wir bisher so viel bekommen, dass wir diese nicht mehr annehmen können", erklärt Martin Kuhn nach dem zweiten Sammeltag.

Aktuell bittet das DRK noch um folgende Spenden:

  • Laptops oder Notebooks für das Krankenhaus in Sisak
  • Schlafsäcke
  • Isomatten
  • Große Zelte und Beleuchtung
  • Baustrahler
  • Heizungen
  • Notstromaggregate
  • Verlängerungskabel

Bei Fragen stehen die Spendenhotline 0170 457 83 99 oder die Emailadresse kroatienhilfe@drk-es.de zur Verfügung.

Geldspenden können unter dem Stichwort "Kroatienhilfe" direkt auf das DRK-Konto bei der Kreissparkasse EsslingenDE58 6115 0020 0000 6390 00 überwiesen werden.