Bempflingen - Trost Mühle: "Es war kein Stäubchen Mehl mehr im Laden."

12.11.2020
Andrea Trost/©kry
Andrea Trost/©kry

Mit dem Ausbruch der Coronapandemie begann die Bevölkerung Notvorräte anzulegen. Nebst Klopapier war auch Mehl unter den Rennern. Diesen Run erlebte Andrea Trost in ihrem Mühlenladen mitten im Herzen von Bempflingen. Doch die Krise brachte auch Schattenseiten in das Idyll.

BEMPFLINGEN. (red) - Wenn man auf das Gelände der Trost Mühle an der Mühlenstraße in Bempflingen tritt, deutet fast nichts auf den Teillockdown hin, ja, Corona scheint an diesem Ort nicht zu existieren. Und doch wird man durch maskentragende Kunden jäh aus den Träumen von der klappernden Mühle am rauschenden Bach gerissen. Für Andrea Trost brachte die Pandemie ein ständiges auf und ab: "Wir erlebten zu Beginn der Coronakrise einen Riesenansturm im Mühlenladen und das Mehl war täglich ausverkauft." Sie erinnert sich, dass zu dieser Zeit statt einer Kraft im Laden plötzlich bis zu sechs Mitarbeiter erforderlich waren. "Am Ende des Tages war jeweils kein Stäubchen Mehl mehr im Laden." Ihr sei dadurch erst so recht bewusst geworden, wie es ist, ein Grundnahrungsmittel im Sortiment zu haben. "Damit gewann die Dorfmühle wieder an Bedeutung." Trotz der noch funktionstüchtigen Mühle im Haus, ist diese seit acht Jahren stillgelegt. "Sie war für größere Annahmemengen nicht geeignet. Jetzt beziehen wir unser Mehl seit einigen Jahren aus Geislingen." Doch Corona brachte auch Schattenseiten in das Idyll im Ortskern. "Im Februar war die letzte Hochzeitsfeier im ehemaligen Sägewerk, weil die getroffenen Verordnungen ja größere Feiern untersagten." Es gibt einen Hoffnungsschimmer, sagt Andrea Trost: "Alle Feiern wurden auf das kommende Jahr verschoben, dadurch sind wir im Jahr 2021 fast schon ausgebucht." Unterstützung bekommt Andrea Trost von ihrem Mann Mark Dorsch, der, sobald es die Zeit zulässt, seine Pilotenuniform der Lufthansa ablegt und im Mühlengeschäft mithilft - und von ihren beiden erwachsenen Kindern.

Über den Mühlenbach geht's zum alten Sägewerk/©kry
Über den Mühlenbach geht's zum alten Sägewerk/©kry

Müllern in fünfter Generation

Seit über 160 Jahren ist das Mühlengeschäft in Bempflingen fest in der Hand der Familie Trost. Seit der Übernahme im Jahr 1859 führt mittlerweile die fünfte Generation die Mühle. Andrea Trost, die Nichte des letzten Getreidemüllers in Bempflingen, hat sich mit der Übernahme des Mühlenladens einen Traum erfüllt. Dabei war der Schritt nach 28 Jahren Anstellung bei der Lufthansa in die Selbständigkeit ein Wagnis. "Ich war zur Zeit des Entscheids Trainerin und Ausbildnerin. Ich wollte die Welt bereisen." Mit dem Einzug in die Dachgeschosswohnung im Mühlenhaus jedoch reifte der Wunsch, den Mühlenladen zu übernehmen. "Wir haben damals die alte Bühne ausgebaut. Das war der erste Berührungspunkt mit der Mühle." Die beschauliche Mühle am Bach hatte es ihr angetan. Andrea Trost erinnert sich: "Angefangen hat alles mit Kulturveranstaltungen gemeinsam mit dem Kultur Kurios Verein aus Kleinbettlingen. Damals war das mittlerweile still gelegte Sägewerk noch in Betrieb." Besucher der Ausstellungen und Anlässe seien damals von der Örtlichkeit begeistert gewesen und hätten immer wieder angefragt, ob die Räume auch für private Anlässe gemietet werden können.  Andrea Trost war von der Idee eines zweiten Standbeins begeistert. "Der große Saal bietet immerhin Platz bis 70 Personen und bald schon fanden erste Geburtstags- und Hochzeitsfeiern in der ehemaligen Sägerei statt." Später kamen auch Qi Gong und weitere Meditationskurse dazu, berichtet die Mühlenchefin.

Dekoartikel laden zum Bummel am Mühlenbach/©kry
Dekoartikel laden zum Bummel am Mühlenbach/©kry

Vor drei Jahren hat Andrea Trost sich entschieden: "Weg vom Kerosinduft und hin zum Mehlstaub." Doch nicht nur die Veranstaltungen und der Mühlenladen gehören zur täglichen Beschäftigung. "Wir kümmern uns auch um die Wasserbewirtschaftung." Der romantische Mühlenkanal führt das Wasser der Erms bis zur eigenen Turbine und zum Wasserrad. "Damit erzeugen wir zusätzliche Energie und leiten den Überschuss in das öffentliche Stromnetz." Gerade jetzt, im Herbst, wenn die Blätter fallen, heißt dies für die Familie Trost zusätzliche Kraftanstrengung: "Wir müssen die Auffanggitter täglich von den angeschwemmten Blättern befreien."

Der ausgediente Mühlstein der Trost Mühle/©kry
Der ausgediente Mühlstein der Trost Mühle/©kry

Adventsstimmung nicht vermissen

Auch wenn Corona in diesem Jahr vieles nicht zulässt, so ganz will Andrea Trost auf Weihnachtsstimmung im Mühlenladen nicht verzichten. Im ehemaligen Sägewerk stimmt sie mit ihrer Familie und ihren Mitarbeitern auf den Advent ein. Inmitten der liebevoll weihnachtlich dekorierten Halle fällt eine Ape - ein dreirädriges Rollermobil - auf. "Das ist die Sammelleidenschaft meines Mannes und der Kleintransporter gehört einfach zur Mühle dazu." Und noch eine Besonderheit birgt das Idyll am Mühlenbach: "Nebst Mehl, Küchenartikel und Wohnaccessoires verkaufen wir auch Hühnerfutter", erklärt Andrea Trost und bedient danach die nächsten Kunden - mit Maske.

Weitere Informationen zur Trost Mühle finden Sie hier