ENERGIESPARTAG

20.10.2022

Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz schickt bis Februar 2023 jeden Freitag alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung ins Homeoffice oder ordnet den Abbau von Überstunden an. Die Stadt möchte dadurch rund 20 % an Energiekosten sparen. Der Personalrat und die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats begrüßen die Entscheidung. 

AICHTAL. (pm) - Wie schwerwiegend die Versorgungsprobleme mit Gas - vor allem mit Blick auf den Winter - werden, kann aktuell keiner sagen. Die Bundesregierung hat alle Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Institutionen dazu aufgefordert, Energie zu sparen. Auch die Stadtverwaltung im Aichtaler Rathaus will ihren Beitrag leisten und hat ein Maßnahmenpaket beschlossen, um Energie einzusparen. Geplant sind kurz- und mittelfristige Maßnahmen technischer Natur, aber auch organisatorischer. "Wir müssen als öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen und sind uns unserer Verantwortung und Vorbildfunktion bewusst", betont Bürgermeister Sebastian Kurz. Im Juli kam erstmals der eigens hierfür gegründete Krisenstab "Energieversorgung" zusammen, um sich über erste Ideen auszutauschen.

Nach mehreren Abstimmungen stehen nun die Maßnahmen fest, die umgesetzt werden. Die Absenkung der Temperatur in den Büroräumen auf 19 Grad ist eine Vorgabe des Bundes. Daneben wurden bereits weitere einzelne Maßnahmen umgesetzt, so wurde bereits Anfang August die Straßenbeleuchtung auf die sogenannten Halbnachtschaltung umgestellt. "Das bedeutet, dass sämtliche Straßenlaternen, die bereits seit vielen Jahren auf LED-Technik umgestellt wurden, nur mit der Hälfte der üblichen Leistung betrieben werden." Bisher werde dieser reduzierte Betrieb nur in der Zeit zwischen 22 Uhr beziehungsweise 23 Uhr und 5 Uhr morgens praktiziert. Die möglichen Einsparungen belaufen sich laut Bürgermeister jährlich auf etwa 30 Prozent des bisherigen Stromverbrauchs für Straßenbeleuchtung und damit auf rund 60 000 Kilowattstunden Strom.

Kälteres Wasser aber offenes Hallenbad

Auch die Wassertemperatur im Hallenbad wurde von bisher 28 Grad auf 26 Grad gesenkt. Der Warmbadetag mit 30 Grad Wassertemperatur wurde mit Zustimmung des Gemeinderats ganz abgeschafft. Dafür soll das Hallenbad auch im Winter für die Bevölkerung und für den Schwimmunterricht geöffnet bleiben. Durch die Schließung vieler Hallenbäder während der Corona Pandemie konnten viele Kinder keine Schwimmkurse besuchen. Daher setzt sich der Aichtaler Schultes dafür ein, das Hallenbad so lange wie möglich offen zu halten. "Wir haben für die DLRG zusätzliche Zeiten geblockt, sodass mehr Schwimmkurse in Aichtal stattfinden können", erklärt Kurz.

Freitags ist das Rathaus zu

Um weitere Einsparungen zu erreichen, werden befristet für den Zeitraum vom 28. November 2022 bis 24. Februar 2023 weitere wesentliche Maßnahmen getroffen, die mit dem Personalrat abgestimmt sind. "Wir sind alle zum Energiesparen aufgerufen. Mit diesen Maßnahmen wollen wir unseren Beitrag leisten", so Bürgermeister Kurz. Am Freitag wird die Heizungsanlage nicht mehr hochgefahren. Hierdurch kann eine große Einsparung erreicht werden, weil die Anlage für drei Tage am Stück - statt bisher zwei - heruntergefahren bleibt. Der Freitag bleibt dabei ein regulärer Arbeitstag - das Rathaus bleibt an diesem Tag wegen der heruntergeregelten Heizungsanlage jedoch geschlossen. "Auch würde Energie bei der Hin- und Rückfahrt der Mitarbeiter für einen Tag eingespart werden", sagt Kurz. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass die Maßnahme zu einer Reduzierung von rund 20 Prozent der sonst verbrauchten Energie führen wird. Um den Bürgerinnen und Bürgern jedoch auch weiterhin zur Verfügung zu stehen, werden die Öffnungs- und Servicezeiten auf die anderen Tage verlegt. Mittwochs ist das Rathaus zusätzlich am Nachmittag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Es ist keine Terminvereinbarung nötig. Vorwiegend sollen die Mitarbeiter am Freitag mobil von zu Hause arbeiten. Alternativ besteht die Möglichkeit, den Freitag für den Abbau von Überstunden zu nutzen.

Dass sich die Stadt Aichtal, allen voran Stadtbaumeister Matthias Hirn und der Gemeinderat nicht erst seit heute intensiv mit dem Thema Energieeinsparungen auseinandersetzen, verdeutlicht das 2002 eingeführte Energiemanagement. Ein Schwerpunkt liegt bisher bei den Verbrauchsüberwachungen der kommunalen Gebäude und dem jährlichen Energiebericht. In den vergangenen Jahren hat die Stadtverwaltung hohe Investitionen in die nachhaltige Sanierung der Wärmeerzeuger städtischer Liegenschaften und in den Wechsel zu LED Leuchtkörpern in Gebäuden und bei der Straßenbeleuchtung getätigt. An der Weiherbachschule entstand mit erheblichen Fördermitteln 2016 ein Nahwärmenetz, das 4 alte atmosphärische Ölbrenner ersetzt. Im Hallenbad und in der Weiherbachschule wurden Kraft Wärme Kopplungsanlagen installiert, die neben der Wärme elektrische Energie erzeugen, die im Fall des Hallenbades vollständig vor Ort verbraucht wird. Bei den in den letzten 10 Jahren neu entstandenen Gebäuden wurde konsequent Wert auf einen hohen Anteil von regenerativer Energie gelegt. Derzeit wird die Installation von Photovoltaikanlagen auf den städtischen Gebäuden untersucht und eine Anlage für die Verwendung von Biomasse als Energieträger konzipiert. Darüber hinaus wird der Gebäudebestand der Stadt Aichtal unter den Gesichtspunkten der energetischen Gesamtbilanz kritisch und konzeptionell untersucht. Weitere zukünftige Punkte sind der Umstieg auf batteriebetrieben Geräte und Fahrzeuge am Bauhof.

Die Öffnungszeiten der Stadtverwaltung (befristet von 28. November 2022 bis 24. Februar 2023):


Montag:       8 bis 12 Uhr
Dienstag:     8 bis 12 Uhr, 15 bis 18 Uhr

Mittwoch:     8 bis 12 Uhr, 14 bis 16 Uhr
Donnerstag: 8 bis 12 Uhr

Freitag:         geschlossen