Cordula Brückner ist seit Ende April die neue Rektorin der Grundschule in Reudern

03.12.2020

NÜRTINGEN-REUDERN. (kry) - Das war wahrlich kein leichter Einstieg in eine neue Aufgabe. Für die ehemalige Klassenlehrerin an der Mörikeschule kam der Wechsel auch recht kurzfristig. "Am Freitag bekam ich den Anruf, dass ich am Montag darauf in Reudern als kommissarische Rektorin anfangen soll", erinnert sich Cordula Brückner an die berufliche Veränderung. Dem neunköpfigen Lehrerkollegium konnte sie sich nur per Videokonferenz vorstellen. "Da der Schulunterricht ja nicht in den Klassenräumen stattfand, lernte ich zu Beginn weder Eltern noch Schüler persönlich kennen. Einzig zehn Kinder aus der Notfallbetreuung bekam ich zu Gesicht." So musste die neue Schulleiterin bis nach den Pfingstferien warten, bis die ersten Kontakte stattfanden. Die Corona Beschränkungen verhinderten im Frühjahr, dass sich Cordula Brückner über die fehlenden Begegnungen Gedanken machen konnte; es fehlte schlichtweg die Zeit.

"Wir mussten sehr schnell sehr viel lernen und uns mit der Digitalisierung auseinandersetzen, damit die Kinder auch Zuhause unterrichtet werden konnten." Die ganzen Geräte fürs Homeschooling mussten umgehend in Betrieb genommen werden. "Dazu kam, dass im Kollegium viele mit einem Gesundheitsrisiko behaftet waren und während der Krise nicht zur Verfügung standen." Das einzig Positive, was die Rektorin der Pandemie abgewinnen kann, ist der raschere Fortschritt der Digitalisierung an den Schulen. "Ohne den Druck der Krise, wäre die technische Weiterentwicklung an den Schulen wohl nicht so rasch vorwärts gegangen. Jetzt kriegen wir Anfang des neuen Jahres die ersten IPad für die Schüler und Lehrer."

Das Logo der Grundschule stammt von Simone Hummel / ©kry
Das Logo der Grundschule stammt von Simone Hummel / ©kry

Derzeit läuft der Schulbetrieb wieder, aber alles andere als normal. "Die Schüler der vier Grundschulklassen begegnen sich praktisch nie. Selbst der Pausenplatz ist in vier Klassenbereiche aufgeteilt", sagt die Schulleiterin. Dies bringt einen weiteren Nachteil: Das Lehrerzimmer ist während des Schul- und Pausenbetriebs verwaist, weil alle Lehrkräfte zur Aufsicht eingesetzt sind. "Zum Beginn der Maskenpflicht gingen die Hygieneverordnungen bei den Schülern in Fleisch und Blut über und es war selbstverständlich. Dies hat allerdings in den letzten Wochen etwas nachgelassen."

Not macht erfinderisch

Musikunterricht und Singen gehören zum Stundenplan wie Mathe oder Deutsch. Doch auch dort machte Corona dem Lernstoff einen Strich durch die Rechnung. "Wir haben eine Kooperation mit der Musikschule Nürtingen und dadurch wurde auch im Chor gesungen", erklärt Cordula Brückner die musikalische Ausbildung der Schüler. Da aber Singen im Klassenverband verboten ist, gründete die Chorleiterin der dritten Klasse eine Ukulele-Gruppe. Die neu eröffnete Schulbücherei in einem ehemaligen Klassenzimmer konnte wegen der Pandemie auch nicht feierlich eingeweiht werden.

"Die Bücherei ist sehr beliebt. Jede Klasse geht einmal pro Woche hin, damit die Schüler was zum Lesen finden", freut sich die Rektorin. Im Klassenraum werde aber nach wie vor vorgelesen und Mitte Dezember gäbe es eine Überraschung für die Schüler, lässt Cordula Brückner wissen. "Lisa-Marie Dickreiter, die Schriftstellerin und Drehbuchautorin aus Berlin, will der dritten Klasse online aus ihrem bereits verfilmten Bestseller "Max und die wilde 7" vorlesen." Wenn es die Hygienebestimmung wieder zulassen, will die Schulleiterin an die ehemaligen Streuobstwiesenprojekte anknüpfen und die Schulbücherei verstärkt in die Unterrichtsstunden einbinden. "Man muss ja nicht alles immer nur im Internet suchen", merkt Cordula Brückner mit einem Augenzwinkern an. Sie ist froh, dass überhaupt Unterricht in der Schule stattfinden kann. "Das bringt etwas Normalität in den Alltag." Auch wenn ihr Start in der Grundschule Reudern wegen Corona anders verlief als geplant, ist die neue Rektorin zuversichtlich. "Es wird einem vermutlich erst nach Jahren so richtig bewusst, was da durch die Pandemie geschehen ist, aber ich bereue keinen einzigen Tag an meiner neuen Arbeitsstelle. Die gute Zusammenarbeit mit Eltern, Beirat, Gemeinde und Kirche motiviert jeden Tag aufs Neue."