Blackout

23.09.2022

Was passiert, wenn der Blackout kommt? Die Stadt Aichtal bereitet sich auf einen langanhaltenden Stromausfall vor.

AICHTAL. (pm) - Die Aussage von Stadtbaumeister Matthias Hirn im Ausschuss für Umwelt und Technik am Mittwoch ließ aufhorchen. In seinem Bericht zur Energielage sprach er davon, dass die Landesregierung darüber informiert hat, dass sich die Städte und Gemeinden auf Stromausfälle von bis zu 72 Stunden vorbereiten sollen. Vor dem Hintergrund der Gasmangellage und der weiterhin unsicheren Versorgungssituation in Europa mit Erdgas aus Russland hat die Stadtverwaltung Maßnahmen zur Energieeinsparung und Notfallpläne für den Fall der Unterbrechung der Erdgas- und Stromversorgung entwickelt. Einstimmig haben die Stadträte beschlossen, die Wassertemperatur im Hallenbad von derzeit 28 Grad Celsius auf 26 Grad zu senken. Dafür soll das Hallenbad "so lange wie möglich für die Bevölkerung" geöffnet bleiben, bekräftigt Hirn. Das Warmwasser in den Sporthallen soll nicht abgestellt werden. Hier sehen sowohl die Stadtverwaltung und die Stadträte keine Möglichkeit, Energie einzusparen, da die Sporttreibenden dann zwangsläufig zu Hause duschen und dort die Engerie vebrauchen würden.

Notfallplan für Stromausfall

Ein langanhaltender Stromausfall hätte erhebliche Auswirkungen auf das öffentliche und private Leben. Eine Vielzahl von Gütern des täglichen Bedarfs wie Licht, Heizungen, Kühlschränke, Telefon, Internet, Fernsehen, etc. würden nicht mehr zur Verfügung stehen. Zugangssysteme, Bankautomaten und Rechenzentren fallen aus. Die Trinkwasserversorgung, Verkehrsanlagen, Tankstellen, Supermärkte und Teile des ÖPNV funktionieren nicht mehr. Auch Notrufleitungen fallen aus. In der Regel werden Stromausfälle in wenigen Stunden behoben. Aber es kann in Notsituationen durchaus auch einmal Tage dauern, bis der Strom wieder verfügbar sei, erklärt Aichtals Stadtbaumeister. Die Energieversorgung in Deutschland gehöre zu den sichersten der Welt, trotzdem sind beispielsweise durch Hackerangriffe, Brände, Unfälle oder Naturkatastrophen ausgelöste länger andauernde, großflächige Stromausfälle nicht gänzlich ausgeschlossen. Bürgermeister Sebastian Kurz wolle keine Schwarzmalerei betreiben. In der Hoffnung auf den besten Fall bereite man sich dennoch auf das Schlimmste vor, erklärt der Schultes, denn unerwartete Ereignisse können den Alltag auf den Kopf stellen. Das habe die Corona-Pandemie eindrücklich gezeigt. Daher wurde bei der Stadt der Krisenstab "Energieversorgung" einberufen, welcher sich mit den verschiedensten Szenarien beschäftigt. Um der Bevölkerung bei Großschadenslagen Unterstützung zu bieten, wird die Stadt Aichtal Notfalltreffpunkte einrichten. Damit folgt die Stadt den Empfehlungen des Innenministeriums.

Die Notfalltreffpunkte sind Anlaufstellen für die Bevölkerung und werden im Krisenfall zum lokalen Dreh- und Angelpunkt des Krisenmanagements, damit die Menschen Hilfe und Informationen erhalten. Mindestens einen Notfalltreffpunkt wird es in jedem Stadtteil von Aichtal geben. Von den im Krisenfall besetzten Notfalltreffpunkten aus kann die Bevölkerung Notrufe absetzen, auch wenn das private Telefon nicht mehr funktioniert. Notfalltreffpunkte dienen bei grösseren oder längeren Krisen auch als Sammelort für Evakuierungen oder als Anlaufstelle für Informationen.

Notfallplan sieht mehrere Stufen vor - Hallenbad und Sporthallen werden Notunterkünfte

In der ersten Notfallstufe werden die Feuerwehrhäuser in Aich, Grötzingen und Neuenhaus besetzt und als Notfalltreffpunkt eingerichtet. Die Besetzung der Feuerwehrhäuser werden bei einem grösseren Krisenfall vom Krisenstab der Stadt Aichtal ausgelöst. Das Rathaus wird in einen Notbetrieb versetzt, lediglich die Server werden weiter betrieben und der Verwaltungsstab zieht in das Feuerwehrhaus in Aich, von wo aus das Krisenmanagement Entscheidungen treffen wird.

In der zweiten Stufe soll die Festhalle in Aich als Notunterkunft eingerichtet werden. Da die Halle über eine Ölheizung verfügt, kann die Halle auch bei einer Gasmangellage beheizt und als sogenannte Wärmehalle genutzt werden. Denn sowohl bei einem Stromausfall als auch bei einer Gasmangellage würden bei vielen Haushalten in Aichtal die Heizung ausfallen. Auch der Schulungsraum im Feuerwehrhaus Neuenhaus soll dazu dienen, dass sich die Bevölkerung aufwärmen kann.

In der nächsten Eskalationsstufe soll auch die Mehrzweckhalle als Notunterkunft und Wärmehalle eingerichtet werden. Wenn das größte anzunehmende Szenario eintreten sollte, werden zusätzlich die Sporthalle in Grötzingen, die Schulturnhalle in Neuenhaus und das Hallenbad als Notunterkunft bzw. als Wärmehalle eingerichtet. Da sowohl die Hallen in Grötzingen jedoch mit Erdgas beheizt werden, arbeitet die Verwaltung derzeit an einem Wärmekonzept für den Fall, dass die Hallen als Notunterkünfte genutzt werden müssen.

Die Notfallplanungen der Stadt wurden am Mittwoch im Ausschuss für Umwelt und Technik den Mitgliedern des Gemeindertas vorgestellt. Dort gab es viel Lob für die vorausschauenden Planungen und Vorkehrungen der Stadtverwaltung. Die Stadträte stimmten einstimmig den Maßnahmen und den damit verbundenen Beschaffungen zu. Denn bisher ist kein städtisches Gebäude in Aichtal - auch kein Feuerwehrhaus - mit einer Notstromversorgung ausgestattet. Mit der Zustimmung des Gemeinderats werden nun mehrere Notstromaggregate beschafft, unter anderem ein 80 kvA Stromerzeuger, welcher auf einem Anhänger verladen ist und durch den Bauhof oder die Feuerwehr an den notwendigen Einsatzort gebracht werden kann. Darüber hinaus werden Notstromaggregate für die Trinkwasserversorgung und die Abwasserbeseitigung beschafft. Derzeit sind Stromerzeuger heiß begehrt und Lieferzeiten von bis zu 20 Monaten sind keine Seltenheit. Die Stadt hat jedoch frühzeitig Stromerzeuger reserviert und wird die Generatoren bereits in den nächsten Tagen erhalten. Die Gebäude der kritischen Infrastruktur werden nun mit Einspeisemöglichkeiten für die Notstromversorgung technisch ausgestattet.