BEUREN: Dem Geheimnis des Brotes auf der Spur

19.07.2021

Beim Familientag im Freilichtmuseum waren Kinder und Eltern dem Geheimnis des Brotes auf der Spur. Am ersten Picknick-Gottesdienst nahmen knapp 500 Menschen teil.

BEUREN. (red) - Es war der erste größere Event im Freilichtmuseum. Dies spürte man nicht zuletzt an den zahlreichen Besuchern, die zum Familientag unter dem Motto Brot.Zeit.Fest. kamen.

Vor den Kassen bildeten sich lange Schlangen. Da sich die Museumsbesucher wegen Corona registrieren mussten, ging der Einlass nur langsam voran und das sorgte sogar dafür, dass der Picknickdecken-Gottesdienst mit rund 15 Minuten Verspätung begann.

Familiendiakon Hendrik Lohse, Familienreferentin Andrea Weber, Katholisches Dekanat Esslingen-Nürtingen, Pfarrer Harald Geyer aus Kohlberg, Biluge Mushegera, Caritas Kinderstiftung und Seelsorger Tobias Haas führten durch den Gottesdienst, der als Leitfaden das Gleichnis vom Sämann hatte.

Museumsmitarbeiter Daniel Kondratiuk kümmerte sich um die Technik. Bei der Frage, woher die Besucher überall herkommen, stellte sich heraus, dass sogar zwei Gäste aus Uganda (Afrika) unter den Gottesdienstteilnehmern weilten. Andrea Weber freute sich über die zahlreichen Besucher: "Beim Brot.Zeit.Fest kommen Familien aus ganz unterschiedlichen Lebenskontexten zusammen - vielfältig und inklusiv."

Familiendiakon Hendrik Lohse zeigte sich begeistert: "Ich finde es wunderbar, dass wir Familien auch in dieser besonderen Zeit einen Begegnungsraum und Glauben anbieten können." Die Chorgruppe Sankt Kolumban aus Wendlingen umrahmte den Picknickdecken-Gottesdienst unter der Leitung von Christa Strambach musikalisch. Weil der Andrang im Museumsdorf unerwartet groß war, entschieden sich die Verantwortlichen, den Gottesdienst in den Nachmittagsstunden zu wiederholen.

Stand während dem Gottesdienst noch das Teilen des Brotes im Mittelpunkt, rückte die Entstehung von Wecken und Brötchen im Anschluss mit vielen Aktionen ins Visier der Museumsbesucher. Vor allem Kinder konnten an verschiedenen Stationen den Weg des Brotes - vom Korn zum Brot - erleben. Und sie durften auch gleich selbst Hand anlegen.

Sichtlich viel Spaß hatten die jüngsten Museumsbesucher beim Dreschen. Flugs nahmen sie die Dreschflegel in die Hand und droschen auf den frisch geernteten Weizen ein. Etwas gemächlicher konnten es die Kinder beim Sieben nehmen. Mit großen runden Sieben trennten sie buchstäblich die Spreu vom Weizen. Später lernten sie die Windfege, eine weitere Reinigungsmöglichkeit für das Getreide, kennen.

Wer von der harten Arbeit in der Landwirtschaft ermüdet war, konnte sich von alten knatternden Traktoren und Bulldogs durchs Museumsgelände kutschieren lassen. Frisch ausgeruht ging es dann darum, erste eigene Brötchen zu backen. Die Kinder hatten viel Freude beim Kneten des Brotteigs und vor allem bei der Auswahl der Körner, die die Brötchen zieren sollten. Einige waren überzeugt, dass nur Mohn auf die Wecken gehört, andere dagegen setzten auf eine Vollkornmischung.

Spannend war auch der Backvorgang. Die Brötchen wurden nämlich nicht einfach schnöde im herkömmlichen Backofen, sondern im Holzofen des historischen, über 130 Jahren alten Backhauses aus Esslingen-Sulzgries gebacken. Die Kinder waren von der altmodischen Bäckerskunst begeistert und die Brötchen schmeckten danach doppelt gut. Getreide in anderer, aber nicht minder bekannter Form gab es am Stand der Caritas Kinderstiftung.

Dort hatte die Geschäftsführerin der Stiftung, Biluge Mushegera mit ihrem Team nämlich eine Popcornmaschine aufgestellt. Der Duft der aufplatzenden Maiskörner lockte zahlreiche Genießer an, die sich wie bei den anderen Aktionen geduldig und mit Abstand anstellten.

Einige der jungen Museumsbesucher hätten sich vermutlich nach all dem Erlebten und der Hitze direkt hinlegen und eine Runde schlafen können. Doch vorher war es noch Zeit für Geschichten von früher: An mehreren Standorten gab es Erzählungen, wie es in den Familien und auf Bauernhöfen früher zuging. Die spannenden Geschichten hielten die Kinder aber nicht nur vom Schlafen ab, sondern weckten deren Entdeckergeist erneut. Belohnt wurden die Familien zum Abschluss des Familientages mit einem Stockbrot - das sie selbst auf offenem Feuer frisch backten.