Bauerntag mit Botschaft

29.09.2022

Der Bauerntag am LWH auf dem Cannstatter Wasen war von emotionalen Reden und Forderungen an die Bundes- und Landespolitik geprägt. LBV-Präsident Joachim Rukwied, nahm die Politik in die Pflicht, eindeutige Perspektiven für die junge Generation zu schaffen. Gastredner waren Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und Landwirtschaftsminister Peter Hauk.

STUTTGART/CANNSTATTER WASEN. (pm) - Der Ukrainekrieg hat die Bedeutung der Landwirtschaft zur Ernährungssicherung wieder in den Fokus gerückt. Gleichzeitig haben die baden-württembergischen Familienbetriebe massiv mit den Auswirkungen des Krieges zu kämpfen. Nicht genug - die Pläne der EU-Kommission zum Pflanzenschutzmitteleinsatz gefährden den kooperativen baden-württembergischen Weg, der vor zwei Jahren im Biodiversitätsstärkungsgesetz gemündet ist.

"Die EU-Pläne bedrohen die Zukunft unserer heimischen Familienbetriebe. Diese Politik muss dringend korrigiert werden. Nicht zuletzt führt auch der Krieg in der Ukraine auf dramatische Weise vor Augen, dass Versorgungssicherheit keine Selbstverständlichkeit ist.", erklärt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes (LBV), auf dem traditionellen Bauerntag während des Landwirtschaftlichen Hauptfestes am 29. September 2022 in Stuttgart.

Wie in vielen Wirtschaftsbereichen sind die Produktionskosten in der Landwirtschaft aufgrund des Ukrainekrieges in die Höhe geschnellt. "Dünger und Energie haben sich massiv verteuert", betont Rukwied. "Land- und Ernährungswirtschaft müssen in dieser schwierigen Zeit Vorrang haben, damit die Lebensmittelversorgung bei uns gesichert bleibt." Die Politik sei hier gefordert, den entsprechenden Rahmen zu setzen.

Der Schutz von Umwelt, Klima und Biodiversität ist nach wie vor weit oben auf der Agenda der baden-württembergischen Bauern. "Das von der EU-Kommission vorgeschlagene pauschale Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten bedroht die regionale Landwirtschaft existenziell. Anstatt Ordnungsrecht zu verschärfen, muss gemeinsam mit der Landwirtschaft der Artenschutz gestärkt und Perspektiven für die Familienbetriebe geschaffen werden", fordert Rukwied. Mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz im Land haben Landwirtschaft, Naturschutz und Landesregierung 2019 einen Kompromiss gefunden. "Dieser baden-württembergische Weg setzt auf Kooperation statt Verbote."

Die Rinder- und Schweinehaltung geht seit Jahren im Land zurück. "Für die Tierhaltung brauchen wir die richtigen Weichenstellungen", betont Rukwied. "Das Baurecht muss angepasst werden, die Haltungs- und Herkunftskennzeichnung muss endlich eingeführt und die Finanzierung des Umbaus der Haltungssysteme muss schnellstens gesichert werden."

In die Zukunft der Bauern investieren
Die Landwirtschaftstehtvor riesigen Herausforderungen, der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit in vielen Bereichen der Branche bedeutet für die Bäuerinnen und Bauern einen riesigen Kraftakt. Ein Baustein für die Zukunftsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe ist die Ausbildung der nachfolgenden Generationen von Landwirtinnen und Landwirten. "Um die Ausbildung der jungen Menschen zu verbessern, muss die Landeregierung spürbar in die Qualität einzelner Fachschulstandorte investieren. Wir benötigen eine Konsolidierung der Bildungslandschaft in Baden-Württemberg", erklärt LBV-Präsident Rukwied. "Bildung ist Zukunft. Wir brauchen gut ausgebildete und motivierte junge Betriebsleiter."

Höchste Auszeichnung des Verbandes für ehrenamtliches Engagement

Die langjährigen Vizepräsidenten Gerhard Glaser und Klaus Mugele erhielten auf dem traditionellen Bauerntag während des Landwirtschaftlichen Hauptfestes die höchste Auszeichnung des Landesbauernverbandes (LBV). "Gerhard Glaser und Klaus Mugele haben sich 25 Jahre als LBV-Vizepräsidenten für den Berufsstand und die baden-württembergischen Bauern eingesetzt. Für ihr außergewöhnliches Engagement und die Verdienste um die heimische Landwirtschaft würdigen wir Glaser und Mugele mit der Goldenen Ähre mit Brillant", sagt LBV-Präsident Rukwied.

Gerhard Glaser, langjähriger Kreisobmann des Bauernverbandes Biberach-Sigmaringen und von 1997 bis 2022 LBV-Vizepräsident hat sich mit Herzblut für die Belange der bäuerlichen Familienbetriebe eingesetzt. "Ob in der Milchpolitik oder dem Tierschutz - Glaser zeichnete sich durch außergewöhnliches Engagement und hoher Fachexpertise aus. Die Stellung der landwirtschaftlichen Betriebe im weltweiten Wettbewerb und die Verbesserung der Situation auf den Höfen ist und war ihm immer ein besonderes Anliegen", sagt Rukwied anlässlich der Ehrung.

Klaus Mugele, langjähriger Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems und von 1997 bis 2022 LBV-Vizepräsident hat sich in vielen Bereichen um die Landwirtschaft verdient gemacht. "Mit großem Fachwissen machte sich Klaus Mugele für die Veredelung im Land stark. Sein ausgeprägtes bundesdeutsches Netzwerk hat er zum Wohle der Bauern genutzt", betont Rukwied.

"Ich danke Gerhard Glaser und Klaus Mugele für ihr starkes Engagement für die baden-württembergische Landwirtschaft und die sehr gute und äußerst vertrauensvolle Zusammenarbeit im Landesbauernverband", sagt Rukwied.

Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb: Hof Aischland Milch

Die Hof Aischland Milch von Norbert Beck und Jürgen Stolz aus Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) hat am Donnerstag, 29. September auf dem Bauerntag auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest (LWH) in Stuttgart die Auszeichnung zum Ausbildungsbetrieb des Jahres 2022 des Landesbauernverbandes (LBV) erhalten. "Der Milchviehbetrieb der Gesellschafter Beck und Stolz zeichnet sich durch ein vorbildliches Ausbildungsengagement aus. Seit dem Jahr 2000 haben der Ausbilder und die drei Gesellschafter des Betriebes über 30 junge Menschen zum Landwirt ausgebildet", sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. "Der moderne Milchviehbetrieb mit 320 Milchkühen, weiblicher Nachzucht mit Ackerbau und Grünland sowie Biogas bietet beste Voraussetzungen für Lehrlinge sich in einem breiten Themenfeld von Tierwohl und Herdenmanagement über Technik bis Pflanzenbau zu beweisen."

Die Familien Beck und Stolz mit ihrem Hof Aischland sind keine Unbekannten in der Branche. Der Betrieb hatte bereits 2013 den Tierschutzpreis des Landes Baden-Württemberg erhalten. "Hier steht nicht nur das Tier- und Kuhwohl an oberster Stelle, sondern auch die fachlichen und persönlichen Bedürfnisse der Auszubildenden im Mittelpunkt", erklärt Rukwied. "Das Kapital jeden Betriebes sind die gut ausgebildeten Mitarbeiter."

Norbert Beck ist nicht nur als Ausbilder auf dem Hof aktiv, sondern engagiert sich auch im Bildungsbereich für die Landwirtschaft. Beck ist Prüfungsausschussmitglied, Fachpraxislehrer und bildet an der Abendschule Nebenerwerbslandwirte in Bad Mergentheim aus. Eine besondere Motivation hält der Ausbildungsbetrieb des Jahres 2022 für seine Auszubildenden auch bereit: Jeder Lehrling, der für sein Berichtsheft einen Preis erhält, erhält als Belohnung ein Kalb. Norbert Beck bestätigt: "Und das waren schon viele!"

Info über den Ausbildungsbetrieb des Jahres 2022: Hof Aischland Milch GbR aus Weikersheim ist ein Kooperationsbetrieb mit vier Gesellschaftern. Der Milchviehbetrieb hat 320 Milchkühe mit Nachzucht und bewirtschaftet 192 Hektar Acker- und 100 Hektar Grünland. Zudem betreiben die Familien Beck und Stolz eine Biogasanlage.

Info über das Landwirtschaftliche Hauptfest (LWH): Das 101. Landwirtschaftliche Hauptfest findet vom 25. September bis 3. Oktober 2022 auf dem Cannstatter Wasen statt. Das LWH zieht als größte süddeutsche Fachausstellung für Land- und Forstwirtschaft über 200.000 Fach- und Privatbesucher während der neun Messetage an. Es ist eine erlebnisreiche Plattform für Groß und Klein direkt neben dem Cannstatter Volksfest. Seit über 200 Jahren sind LWH und Cannstatter Volksfest miteinander verbunden. LWH-Veranstalter ist der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV). Die in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG ist für die Durchführung und Organisation zuständig. Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg unterstützt die Landwirtschaftsmesse. Das LWH findet alle vier Jahre statt. Mehr unter www.lwh-stuttgart.de.