Baltmannsweiler: Kirchturm im neuen Glanz ist eingeweiht

29.11.2020
St. Aegidiuskirche in Baltmannsweiler/©kry
St. Aegidiuskirche in Baltmannsweiler/©kry

BALTMANNSWEILER. (red) - Trotz Kälte und Corona versammelten sich am gestrigen Adventssonntag zahlreiche Gläubige rund um die Kirche, um bei der Einweihungsfeier des erneuerten Turms dabei zu sein. Seit mehreren Monaten war das über 500 Jahre alte Bauwerk von Gerüsten umhüllt und die Glocken blieben während dieser Zeit auch still. Grund dafür war ein Brand während des 30-jährigen Krieges, der der Statik des Turms immer mehr zu schaffen machte. Fast feierlich riefen die drei Glocken der Aegidiuskirche daher zum Straßengottesdienst und die Gläubigen kamen in Scharen. Dabei achteten die Gottesdienstbesucher auf Hygiene- und Abstandsregeln. Jonathan Dörfuß, Pfarrer der Verbundkirchengemeinde Baltmannsweiler und Hohengehren, zeigt sich doppelt zufrieden: "Wir können gemeinsam Gottesdienst feiern, auch wenn Winterwetter ist, und der Kirchturm erstrahlt in neuem Glanz."

Zur Einweihungsfeier konnte die Kirchengemeinde ohne Platzbeschränkung einladen und in den Straßen, die zum Kirchplatz führen waren kleine Tische mit Meldeformularen und Desinfektionsmittel aufgestellt. "Hier haben wir genug Platz, um gemeinsam den Ersten Advent zu begrüßen und den Kirchturm einzuweihen." Der Posaunenchor Baltmannsweiler umrahmte den feierlichen Outdoorgottesdienst musikalisch.

Etwa 100 Gläubige besuchten den Einweihungsgottesdienst auf der Straße/©kry
Etwa 100 Gläubige besuchten den Einweihungsgottesdienst auf der Straße/©kry

Was vielen der Gottesdienstbesucher aufgefallen sein dürfte: Die Kirchturmuhr steht auf 12 Uhr und ist noch außer Betrieb. "Die Arbeiten an den Glocken sind im Verzug. Das liegt unter anderem an Lieferschwierigkeiten beim Material und Corona-Engpässen bei der ausführenden Firma", erklärt Jonathan Dörfuß den fehlenden Glockenschlag. Ansonsten seien die Renovierungsarbeiten trotz der Pandemie erstaunlich reibungslos abgelaufen, freut sich der Geistliche. "Jetzt müssen noch zwei Glocken auf Holzjoche umgehängt und die neuen Klöppel eingebaut werden. Diese Arbeiten können auch ohne Gerüst durchgeführt werden." Pfarrer Dörfuß ist guter Dinge, dass dies bis Jahresende ebenfalls abgeschlossen ist. Für eine tierische Überraschung während der Erneuerung sorgten Fledermäuse, die im Turm und im Dachstuhl über dem Kirchenschiff entdeckt wurden. "Der Natur- und Artenschutz war danach entsprechend aufwändig. Wir haben für die Tiere insgesamt zwölf Ersatzquartiere geschaffen." Die im Turm nistenden Falken wurden bereits im Vorfeld aus ihrer luftigen Behausung ausgesperrt. "Ersatzquartiere am Pfarrhaus sowie auf dem Friedhof waren rasch angebracht." Jonathan Dörfuß hofft jetzt, dass die Falken in ihr altes Quartier im Kirchturm zurückkehren. Für die Handwerker hielt das Maßwerk - der verzierte Fensterbogen im Nordfenster der Glockenstube eine Herausforderung bereit.

Ersatzbehausung für Fledermäuse im Turm und im Kirchenschiff/©kry
Ersatzbehausung für Fledermäuse im Turm und im Kirchenschiff/©kry

"Das alte Maßwerk war mehrfach gebrochen und musste ersetzt werden", erklärt der Gemeindepfarrer die unerwarteten zusätzlichen Arbeiten. "Der Steinmetz hat ein neues Maßwerk nach Vorlage des alten, gebrochenen angefertigt und im Turm eingebaut." Der alte Fensterbogen ist seit einigen Wochen im Chorraum ausgestellt und kann dort besichtigt werden. "Man sieht sehr schön, wie die vergangenen Jahrhunderte dem Stein zugesetzt haben", schmunzelt Jonathan Dörfuß. 

Rund 340.000 Euro kostet die Sanierung des Kirchturms und der Kostenrahmen kann vermutlich eingehalten werden. "Es liegen noch nicht alle Schlussrechnungen der einzelnen Gewerke vor, aber bisher sieht es gut aus", freut sich Pfarrer Dörfuß. Positives Feedback gab es von der Bevölkerung in der Schurwaldgemeinde. "Viele Menschen im Dorf haben die Kirchturmsanierung mit Spannung verfolgt." Im Gespräch mit den Bürgern habe er oft gehört, dass sie sich auf die Fertigstellung freuen. "Vor allem freuten sie sich darauf, dass die Glocken wieder läuten und sie die Uhrzeit am Ziffernblatt der Turmuhr wieder ablesen können."

Noch steht die Kirchturmuhr still/©kry
Noch steht die Kirchturmuhr still/©kry

Diese Freude zeigte die Bevölkerung auch mit ihrer Spendenbereitschaft: Fast 70.000 Euro kam durch die Spender und verschiedene Aktionen zugunsten der Kirchturmsanierung zusammen. Jonathan Dörfuß ist begeistert: "Ich freue mich sehr über dieses überzeugende Ergebnis und danke den Spendern."

Vielleicht gibts bald wieder Falken-Nachwuchs im Kirchturm/©KGBW
Vielleicht gibts bald wieder Falken-Nachwuchs im Kirchturm/©KGBW