Feuerkatastrophe in Nürtingen

04.11.2020

Großbrand in Nürtingen fordert zwei Tote

NÜRTINGEN. (red) - Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich bei einem Feuerausbruch am Sonntagabend, gegen 22 Uhr in einem Wohn- und Geschäftsgebäude in Nürtingen abgespielt haben. Menschen standen im oberen Stockwerk an den Fenstern und schrien um Hilfe. Ein Nachbar reagierte blitzschnell, rannte los und brachte eine Leiter zum brennenden Haus. Dadurch konnten sich erste Bewohner aus den Flammen retten. Die alarmierte Feuerwehr rückte mit über 90 Einsatzkräften und 23 Fahrzeugen an. Die Rettungsdienste von DRK und Malteser eilten mit 88 Rettern zum Brandort. Die Polizei war mit 14 Streifen und fünf Fahrzeugen der Kriminaltechnik zum Einsatzort gekommen. Umgehend wurden die Rettungs- und Löscharbeiten in Angriff genommen.

Michael Schaal, Presseprecher Polizei/©kry
Michael Schaal, Presseprecher Polizei/©kry

Dabei wäre es für einige Kräfte der Feuerwehr fast zu einer Katastrophe gekommen: Als die Wehrleute mit der Drehleiter auf Höhe des Daches mit den Löscharbeiten Zugange waren, stürzte ein Teil des Daches ein und riss dabei den Strommast auf dem Dach mit. Dadurch hingen die Stromkabel durch und berührten funkend die Drehleiter. Wie Polizeisprecher Michael Schaal bestätigte, wurde ein Feuerwehrmann dabei durch einen Stromschlag verletzt und musste in eine Klinik verbracht werden. Drastische Folgen hatte der Brand auch für die Bewohner im Gebäude. Insgesamt 18 Personen konnten durch die Feuerwehr mit Leitern und einem Sprungpolster gerettet werden. Für zwei Männer im Alter von 37 und 53 Jahren kam jedoch jede Hilfe zu spät, sie kamen bei dem Brand ums Leben. Vier der geretteten Bewohner mussten ebenfalls mit Verletzungen in Kliniken gefahren werden. Auch bei den Einsatzkräften gab es bei der Brandbekämpfung insgesamt drei Verletzte. Gegen Mitternacht gelang es den Wehrleuten das Feuer zu löschen.

Ursache unklar

Da die Brandermittler derzeit das ausgebrannte Gebäude nicht betreten dürfen, ist die Brandursache noch unklar. Tragisch dabei: Am Tag nach dem Großbrand suchten eine Bekannte eines Bewohners sowie eine Bewohnerin ihre Hunde. Deren Schicksal ist unklar, man weiß nicht, ob die beiden Tiere sich noch im Gebäude befinden. Für die Rettungskräfte vor Ort bedeuten solche Einsätze immer wieder eine hohe psychische Belastung, insbesondere, wenn Menschenleben zu beklagen sind. "Die Hilfsorganisationen haben dafür den psychologischen Notfalldienst und auch wir bei der Polizei haben geschulte Beamte, die Kollegen betreuen können, wenn der Bedarf da ist." Vor solchen Bildern sei niemand gefeit, wer aber bei der Polizei arbeiten will, ist sich bewusst, dass es bei entsprechenden Einsätzen Verletzte und Tote geben kann, sagte Michael Schaal. Da das Haus nicht mehr bewohnbar ist, kümmert sich jetzt die Stadt Nürtingen um Notunterkünfte für die Geretteten. Im Einsatz war auch ein Polizeihubschrauber, der die Lage mit Kameras während der Rettungs- und Löschmaßnahmen beobachtete. "Diese aufgezeichneten Bilder werden direkt an das Lagezentrum des Polizeipräsidiums Reutlingen übertragen. Beim gestrigen Einsatz war dies umso wichtiger, weil die Gebäude in der Nürtinger Schafstraße eng zueinander gebaut sind."

Viele Schaulustige, aber ohne Zwischenfälle

Der Feuerschein und die Rauchsäule waren am Abend weithin sichtbar. Aus der Nachbarschaft und auch von weiter weg eilten viele Schaulustige am Sonntagabend zum Brandort. Michael Schaal bestätigt: "Es gab keine Zwischenfälle, die Passanten verhielten sich ordentlich und blieben hinter den Absperrbändern." Auch am Tag danach kamen viele zur Brandruine. Einige standen mit Tränen in den Augen vor dem abgebrannten Haus. Der Tod der zwei Bewohner und die vielen Verletzten machten sie betroffen. Die Stadtwerke Nürtingen hatten das Wohngebäude mit Zäunen abgesperrt - es darf momentan niemand in das Haus. "Jetzt gilt es, die Statik zu richten, damit unsere Kriminaltechnik in das Gebäude reindarf", beschrieb Michael Schaal die nächsten Schritte. Er schätzt den Schaden am Gebäude auf mehrere hunderttausend Euro. Die geretteten Bewohner aus dem abgebrannten Gebäude wurden von der Stadt Nürtingen vorsorglich in einem Hotel untergebracht. Die Bewohner aus zwei angrenzenden Häusern, die während der Löscharbeiten evakuiert wurden, konnten, wie Michael Schaal mitteilte, zwischenzeitlich wieder in ihre Wohnungen zurück.

Erneuter Brand am Montag - diesmal im Nachbargebäude - 3 leicht Verletzte

Während der Schock über den Brand vom Sonntagabend noch tief saß, erreichte die Feuerwehr am Montag ein erneuter Notruf. Gegen 14.20 Uhr stieg Rauch aus dem angrenzenden Gebäude aus. Angeblich gehörte explosionsartige Geräusche wurden nicht bestätigt. Der Brand entfachte sich im hinteren Teil des Gebäudes. Einen Zusammenhang mit dem gestrigen Brand konnten weder Stadtbrandmeister Rolf Bader noch Michael Schaal, Pressesprecher der Polizei, bestätigen. Da die Feuerwehr wegen dem gestrigen Brand mit einem Fahrzeug vor Ort war, konnte der neuerliche Brand rasch gelöscht werden. Die Rettungskräfte konnten 22 Personen aus dem Gebäude bringen. Drei Bewohner wurden leicht verletzt in umliegende Kliniken verbracht. Die Polizei hat die Brandermittlungen aufgenommen, da dieses Gebäude noch betretbar ist. Alle Bewohner dieses Gebäudes werden laut Polizei durch die Stadt Nürtingen anderweitig untergebracht.