Alb: Skiliftbetreiber haben die Nase voll

06.01.2021

Am gestrigen Dreikönigstag strömten wiederum Hunderte Ausflügler auf die Schwäbische Alb - Die Skiliftbetreiber, Landwirte und Anwohner ärgern sich über den Massenandrang.

Der Winter zeigt sich derzeit von seiner besten Seite. Auf der Schwäbischen Alb bleibt der Schnee liegen und zieht damit Ausflügler von Nah und Fern an. Am gestrigen Dreikönigstag erreichte der Andrang einen neuen Höhepunkt. Denn: Bereits um Acht Uhr in der Früh waren die meisten Parkplätze in den Skigebieten belegt. Michael Mall betreibt den Skilift in Ochsenwang und er ist sauer: "Jeden Tag vor acht Uhr fahre ich zu meinem Skilift und räume den Müll der Besucher vom Vortag weg." Mit Müll sind nicht nur Glasflaschen, Essensreste und dutzende Plastiktüten gemeint, sondern auch defekte Wintersportgeräte. "Ich habe bisher neun Bobs entsorgt, die die Menschen einfach liegen ließen." Ebenso fand Michael Matt beim Kioskhäuschen immer wieder volle Mülltüten und dutzende Schutzmasken. Die verschlossenen Toilettenhäuschen sind für die hunderten Wintersportler kein Hindernis. "Sie haben die Türen einfach aufgebrochen", ärgert sich Michael Mall.

Ebenso seien Abschrankungen direkt beim Skilift einfach zerstört worden. Aber auch nach Einbruch der Dunkelheit gibt es auf der Skipiste keine Ruhe. "Da fahren Autofahrer einfach auf die Wiesen, drehen einige Runden und sie fahren sogar den Hang rauf und wieder runter", tobt der Skiliftbetreiber. "Ich würde das Gebiet am liebsten komplett absperren, aber dazu brauche ich die Unterstützung der Gemeinde und der Polizei". Absperrbänder würden wenig bringen, vermutet Michael Mall, diese seien kein Hindernis für die Ausflügler. "Ich wollte den Parkplatz schon sperren, weil dieser ja im Frühjahr und Sommer eine Weide für die Kühe ist." Besonders ärgerlich für den Skiliftbetreiber: es ist bereits der zweite Winter ohne Einnahmen. "Ich verdiene nichts, darf aber jeden Tag Müllabfuhr spielen und notdürftige Reparaturen verrichten", sagt Michael Mall achselzuckend.

Am gestrigen Dreikönigstag war der Skiliftbetreiber am frühen Morgen vor Ort, was in diesen Tagen nur ganz selten der Fall ist. "Ich ertrag den Anblick der vielen rücksichtslosen Menschen nicht mehr", begründete er seine bewusste Abwesenheit. Beim Rundgang über sein Gelände stellte er wütend fest, dass das Waldstück auf seinem Gelände immer mehr als öffentliche Toilette benutzt wird. Bei diesem Anblick drängt sich bei Michael Mall der Wunsch auf, dass die Leute nicht zum Skilift kommen, sondern Zuhause bleiben. "Das Miteinander fällt hier aus. Jeder schaut nur nach sich und seinem Vergnügen." Da die Kinder und Erwachsenen zurzeit auch die Skipiste mit ihren Schlitten und Bobs befahren, befürchtet Michael Mall: "In der nächsten Saison, wenn wir den Skilift wieder fahren lassen dürfen, kriege ich vermutlich das Problem, die Skifahrer und Schlittenfahrer zu trennen." Indes kraxeln die dutzenden Kinder und Erwachsenen unentwegt den Hang entlang des Skilifts rauf, um dann mit Tempo die Piste wieder runter zu fahren. Ein weiteres Ärgernis: "Die Menschen halten sich am Zaun beim Skilift fest und ziehen sich daran nach oben, weil es steil und eisig ist. Der Zaun ist aber dafür gar nicht geeignet und dementsprechend sieht er jetzt auch aus", sagt Michael Mall mit Zornesfalten. Die Verantwortung gegenüber den Rodlern auf seinem Gelände will Michael Mall nicht übernehmen. Er präzisiert: "Ich bin für Skifahrer verantwortlich, wenn der Lift läuft. Aber auch da hoffe ich sehr auf die Unterstützung der Kommune und der Polizei."

Für die Polizei ist der Großandrang in den Skigebieten auf der Schwäbischen Alb mittlerweile eine Herausforderung. Wie Polizeisprecher Robert Heinrich vom Polizeipräsidium Reutlingen auf Anfrage bestätigte waren am gestrigen Feiertag mehrere Streifen in den Hotspots unterwegs. "Wir kontrollieren vor allem die Freihaltung der Rettungswege, weil es in den vergangenen Tagen Zwischenfälle gab." Falschparker wurden entsprechend angezeigt. Der Polizeisprecher machte deutlich: "Wir kontrollieren auch die Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften." Zur Zeit der telefonischen Anfrage beim Polizeipräsidium lag gestern Mittag bislang nichts Herausragendes vor. "Wir stellen aber viel Betrieb auf der Schwäbischen Alb fest", sagte Polizeisprecher Robert Heinrich.